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Ohios Gouverneur Kasich : „Wir brauchen erhebliche militärische Reformen“

Einer der härtesten parteiinternen Widersacher von Präsident Trump: der Gouverneur von Ohio John Kasich (Archivbild aus dem vergangenen September) Bild: AP

Ohios Gouverneur John Kasich gilt als einer der härtesten parteiinternen Kritiker von Präsident Trump. Ein Gespräch über den deutschen Nato-Beitrag, Trumps Verlässlichkeit – und Populismus in Europa.

          2 Min.

          Der Weg zu Donald Trumps hartnäckigsten innerparteilichen Widersacher um die Präsidentschaftskandidatur führt hinaus aus dem lauten Getümmel der Sicherheitskonferenz im Foyer des luxuriösen Bayerischen Hofes, hinauf in eine der oberen Etagen, vorbei an Sicherheitspersonal durch lange, menschenleere Gänge bis zur letzten Tür. Hinter ihr sitzt John Kasich in einer holzgetäfelten Stube in einem Sessel. Fünf Fragen an den Gouverneur von Ohio.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Herr Gouverneur, Vizepräsident Pence hat den transatlantischen Partnern versprochen, dass Amerikas Engagement für die Nato unerschütterlich ist. Gilt das auch für Präsident Trump?

          Das ist das Problem. Die Regierung kommt hierher und spricht über die Stärke der Allianz. Wenn Sie einen Präsident haben, der gemischte Signale sendet, sorgt das für Verwirrung. Sein Kabinett und all die anderen Leute können sagen, was sie wollen. Aber die Europäer sind nicht überzeugt, dass Trump  in einer Krise für sie da sein würde.

          Deutschland gibt zwischen 30 und 40 Milliarden Euro für Flüchtlinge aus. Würden Sie das mit Blick auf die Zwei-Prozentregel der Nato-Staaten berücksichtigen, wie es der neue deutsche Außenminister Gabriel fordert?

          Das ist eine interessante Frage, über die ich noch nicht nachgedacht hatte. Meine sofortige Reaktion wäre, es sollte in Betracht gezogen werden. Sie schultern einen großen Teil der globalen Lasten, was zum Teil auch dadurch zustande gebracht wurde, dass die Vereinigten Staaten in Syrien keine wirksamen Maßnahmen ergriffen haben. Schauen Sie: Ich habe hier niemanden getroffen, der nicht glaubt, dass die Europäer mehr für unsere gemeinsame Verteidigung tun müssen. Niemanden. Wie Sie das im Laufe der Zeit genau machen, das sind mich nur Details.

          Mit Blick auf die Details: Die renommierte Londoner Denkfabrik IISS hat diese Woche den Nato-Staaten empfohlen, sich auf Fähigkeiten statt auf die Zwei-Prozentregel zu konzentrieren. Was würden Sie, als langjähriges Mitglied des amerikanischen Streitkräfteausschusses, begrüßen?

          Es geht um beides. Wenn Sie das Geld nicht adäquat ausgeben, werden Sie es nicht haben. Reformen sind wichtig, und Waffensysteme sollten dazu entworfen werden, aktuellen Bedrohungen zu begegnen – und nicht auf Basis eines Jobprogramms. Zu sagen, wir werden über Qualität verfügen, ohne Geld auszugeben – das ist, denke ich, sehr inkonsistent. Wir brauchen erhebliche militärische Reformen in allen westlichen Staaten, inklusive Amerika.

          Die Nato ist umgeben von einem „Feuerring“. Was ist mit Blick auf die Zukunft des Westens Ihre größte Sorge?

          Es gibt eine Menge populistischer Bewegungen in Europa. Ich mache mir Sorgen, dass hier Leute gewählt werden könnten, die sagen, dass die Nato und die Fähigkeit Europas, zu funktionieren, keine Rolle mehr spielen.

          Wie der amerikanische Präsident sind Sie ein aktiver Twitter-Nutzer. Wie würden Sie den folgenden Tweet vollenden: „Fakenews sind...

          ... furchtbar. Alles, was gefälscht ist, ist eine Gefahr.

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