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Münchner Sicherheitskonferenz : Rettungssanitäter gesucht

Trump hat offenkundig nicht nur für „Globalismus“ wenig übrig, sondern auch für Allianzen. Und so berechtigt amerikanische Forderungen in der Sache sind, die europäischen Nato-Verbündeten sollten einen größeren Teil der Last für die Sicherheit des Westens übernehmen, so sehr grenzt Trumps Stil an Erpressung. Amerikanische Sicherheitsgarantien? Kommt darauf an! Er kündigt internationale Abkommen – vom Pariser Klimaabkommen bis zu der Atomvereinbarung mit Iran, die Europa nach den Worten seines Stellvertreters nun auch rasch aufkündigen soll – und er verachtet den Multilateralismus ganz generell. Trumps Lieblingsgegner sind ausgerechnet Washingtons langjährige Verbündete; vor allem Deutschland bekommt bei jeder Gelegenheit den Zorn des Präsidenten zu spüren, ob es um Handel geht, Energiepolitik oder um Verteidigungsausgaben. „Starke Männer“ dagegen, die nicht eingebunden sind in ein System der Gewaltenteilung, faszinieren Trump. Er legt Hand an die Grundlagen der liberalen Weltordnung der vergangenen Jahrzehnte.

Die Kehrseite der Medaille kommt in Umfragen zum Vorschein. Ob Selbstgerechtigkeit mitschwingt oder nicht – die große Mehrheit der Deutschen befürwortet eine stärkere Distanzierung von den Vereinigten Staaten. Mehr Deutsche misstrauen dem amerikanischen Präsidenten als den Führern Russland und Chinas. Macht und Einfluss dieser Länder werden als weniger bedrohlich eingeschätzt als die der Vereinigten Staaten. Das ist eine Entwicklung, die allen Sonntagreden und Beschwörungsformeln zum Trotz den Zusammenhalt in der Gemeinschaft der Demokratien aufs Spielt setzt.

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Wenn also Amerika nicht mehr der, wie es heißt, „wohlmeinende Hegemon“ sein will (und vielleicht auch nicht mehr kann) und andere draufgängerisch im Großmachtmodus sind, wer springt dann in die Bresche und hebt die Teile auf, wie es in dem Dokument der Sicherheitskonferenz heißt? Wird der Rest des Westens, werden die Europäer zu Rettungssanitätern der globalen Ordnung und des Multilateralismus? Appelle und entsprechende Bekundungen hat es genug gegeben; auch das Reden von „strategischer Autonomie“ deutet in diese Richtung. Allein, die politische und die materielle Realität sind nicht dazu angetan, die Unabhängigkeit Europas von den Vereinigten Staaten in der Sicherheitspolitik als glaubwürdige Zukunftsoption erscheinen zu lassen; ganz unabhängig von der Frage, ob das überhaupt wünschenswert wäre. Die Europäer reden zwar viel von „mehr Verantwortung“ und einer größeren Rolle, die sie in der Welt spielen wollen, nicht nur an Europas Peripherie. Und daran auch kein Weg daran vorbei. Doch es ist eben auch wahr, dass die europäischen Länder, vor allem die großen, gegenwärtig mit anderen Dingen beschäftigt sind, das Vereinigte Königreich zum Beispiel mit nicht weniger als seiner Existenz.

Zahlreiche Staats- und Regierungschefs sowie Dutzende Außen- und Verteidigungsminister und Sicherheitsfachleute aus aller Herren Länder werden ab diesem Freitag in München über Krisen, Kriege und Konflikte reden und darüber, was womöglich noch alles auf uns zukommt. Und was gegen die aufkommende Düsternis Abhilfe leisten könnte. Die Zusammenkunft könnte ein Ausblick auf die Welt von morgen geben, auf alte Verbindungen und neue Verwerfungen. Und viele Teilnehmer dürften sich vermutlich auch fragen, ob Bundeskanzlerin Merkel wohl zum letzten Mal in dieser Funktion an einer Münchner Sicherheitskonferenz teilnehmen wird. Ein Plädoyer für den Multilateralismus wird sie auf jeden Fall halten.

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