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Münchner Sicherheitskonferenz : Keine Geduld mehr mit Deutschland

Außenminister Heiko Maas wirft seinen Schatten. Bild: Reuters

Vor sechs Jahren forderten Frank-Walter Steinmeier und Joachim Gauck in München eine neue deutsche Rolle in der Welt: mutiger, engagierter, solidarischer, auch militärisch. Passiert ist nichts.

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          Westlessness, Westlosigkeit: Das ist auf der Münchner Sicherheitskonferenz das neue, deprimierende Wort zur Stunde. Tatsächlich ist „der Westen“ als liberale, regelbasierte und demokratische Ordnung weltweit herausgefordert und vielerorts bedrängt. Amerika hat als Super-West-Macht seinen Schwerpunkt verlagert und frühere Schutzversprechen gegenüber Europa relativiert – nicht erst seit Donald Trump regiert. Westlessness, das meint eine Welt, in der andere politische und imperiale Konzepte an Einfluss gewinnen. Das ist eine reales Problem. Andererseits ist die Westlosigkeit ein zugleich Ich-bezogener wie auch verzagter Befund. Er passt deswegen nahezu perfekt zu Deutschland.

          Viele Staaten hadern mit dem traditionellen Konzept vom Westen. Asien geht eigene Wege, in Afrika stand der Westen über Jahrzehnte für eine liberal verbrämte Variante kolonialer Dominanz. Und in Südamerika ist die Identifikation mit dem Westen angesichts ambivalenter Erfahrungen mit der nordamerikanischen Macht und ihrem Dollar zwiespältig. Die Furcht vor „Westlessness“ ist daher besonders eine Angst der Mitteleuropäer. Sie haben ihre ökonomische Dominanz verloren und verdanken ihre militärische Überlegenheit vor allem den Vereinigten Staaten und deren 650-Milliarden-Dollar-Streitkräften.

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