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Münchner Sicherheitskonferenz : Ischinger beklagt verfallende Diskussionskultur

Der Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz: Wolfgang Ischinger Bild: Reuters

Wolfgang Ischinger sieht den Kern der Konferenz gefährdet. Schuld daran sind aus Sicht des Leiters ranghohe Teilnehmer, die statt der offenen Diskussion nur eine Bühne suchen.

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          Klare Botschaften statt eisigem Schweigen. Diskutieren statt ignorieren. Miteinander statt übereinander sprechen. Es gibt viele Zuschreibungen und Selbstzuschreibungen über das, was den Wesenskern der Münchner Sicherheitskonferenz eigentlich ausmacht. Neben der ungezählten Seitenveranstaltungen, bilateraler Gespräche und Hintergrundrunden waren die Podiumsdiskussionen im Konferenzsaal des „Bayerischen Hofs“ immer wieder Sternstunden des offenen Schlagabtauschs.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Joseph Fischer schmetterte als deutscher Außenminister am Tagungsort angesichts des Irakkriegs 2003 seinem amerikanischen Amtskollegen Donald Rumsfeld in einer heftigen Diskussion sein „I am not convinced“ („Ich bin nicht überzeugt“) entgegen. Russland Präsident Wladimir Putin sorgte 2007 für einen Paukenschlag, als er in größter Offenheit (und Schärfe) den Supermacht-Anspruch seines Landes vortrug - und damit einen Vorgeschmack auf die aggressive Außenpolitik gab, die folgen sollte. Joe Biden kündigte als Vizepräsident Barack Obamas 2009 an, den Reset-Button in den Beziehungen zu den Russen drücken zu wollen. Diskussionen meist inklusive.

          Die Zeiten haben sich geändert. Und das so deutlich offenbar, dass Konferenzleiter Wolfgang Ischinger vor dem Auftakt der 55. Veranstaltung ungewohnt deutliche Worte über die ranghohen Teilnehmer seiner Konferenz gefunden hat. Am Donnerstagabend las der langjährige deutsche Spitzendiplomat auf einem Empfang der Zeitschrift „Security Times“ im Tagungshotel ihnen die Leviten.

          Es sei bei vielen von ihnen sehr schwierig geworden, sie auf die Diskussionskultur der Sicherheitskonferenz zu verpflichten. Die Grundhaltung der ranghohen Gäste beschrieb Ischinger so: „Ich will nicht mit anderen auftreten. Ich will nicht zuhören Ich will nur eine Rede halten.“ Ischinger machte klar, dass er sich der Konferenz-DNA verpflichtet fühlt.

          Für dieses Jahr ist die Messe zwar wohl gelesen. Doch gibt es auch ein Glücksmoment, das den Trend bricht. Am Samstagnachmittag steigen Nordmazedoniens Premierminister Zoran Zaev und sein griechischer Amtskollege Alexis Tsipras nach dem beigelegten Namensstreit aufs Podium und stellen sich der Diskussion. Gemeinsam.

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