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Kommentar : Auf dem Weg in eine neue Welt

  • -Aktualisiert am

Podiumsdiskussion über die Golf-Region auf der Münchner Sicherheitskonferenz Bild: dpa

Die geschäftsführende Bundesverteidigungsministerin hält den Amerikanern auf der Sicherheitskonferenz einen Vortrag über den Wert der Entwicklungshilfe. Bemerkenswert – angesichts des desolaten Zustandes „ihrer“ Bundeswehr.

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          Vor einem Jahr war die Münchner Sicherheitskonferenz von der bangen Frage geprägt, wie der frisch ins Amt gekommene neue amerikanische Präsident die internationale Politik verändern würde. Heute kann man sagen: weniger, als viele befürchtet haben. Trump hat die alten Allianzen Amerikas nicht ruiniert, vor allem die Nato nicht, und er hat sich bisher auf kein militärisches Abenteuer eingelassen, etwa gegen Nordkorea. Letzteres immerhin unterscheidet diesen impulsiven Nationalisten von seinen beiden Vorgängern, die Amerika in Kriege mit desaströsen Folgen geführt haben (Irak, Libyen).

          Trotzdem steht es nicht besser um die Ordnung der Welt. Die internationalen Konflikte sind vielschichtig und explosiv wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Ein schlimmes Beispiel ist Syrien, wo Eingriffe von außen nicht nur das Leid der Bevölkerung immer größer gemacht haben, sondern auch die beteiligten Groß- und Mittelmächte einer direkten Konfrontation näherbringen. Wir leben in einer Zeit des Übergangs, in der sich die Weltpolitik langsam, aber sicher aus der transatlantischen Fixierung löst, die sie seit dem Ersten Weltkrieg geprägt hat.

          So gesehen wirkt die Münchner Konferenz fast selbst wie ein Anachronismus. Sie findet auf einem Kontinent statt, der im 21. Jahrhundert einen Bedeutungsverlust erleiden wird. Trumps erstes Jahr hat gezeigt, wohin die Reise geht: Selbst ein erklärter Rückzugspolitiker kommt nicht um Asien herum, die strategische Hauptregion der Zukunft. Wer weiß, vielleicht wird das außenpolitische Personal seine Jahrestagung in zehn oder zwanzig Jahren in Peking abhalten.

          Dass die Europäer ihre Rolle in diesem Zeitalter schon gefunden hätten, wird man nicht behaupten können. Ihre Neigung zu Uneinigkeit und Blockaden reicht inzwischen bis tief in die Innenpolitik, so dass die deutschen Gastgeber diesmal nur eine kommissarische Ministerin zur Eröffnung nach München schicken konnten. Und die hielt den Amerikanern erst einmal einen Vortrag über den Wert der Entwicklungshilfe – obwohl die Vereinigten Staaten immer noch die mit Abstand größte Gebernation sind. Auch angesichts des Zustandes der Bundeswehr, des eigentlichen Portfolios von der Leyens, ist das ein recht „deutscher“ Beitrag zur strategischen Debatte. Die Machtpolitiker im Publikum werden es mit Interesse zur Kenntnis genommen haben.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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