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Fake-News als Waffe : Attacke auf die Bundeswehr in Litauen

Wer wohl dahintersteckt? Die Identität dieses Scharfschützen der litauischen Scharfschützen dürfte leichter aufzuklären sein als den Urheber der Schmutzkampagne gegen die Bundeswehr Bild: dpa

Ein Vorwurf kursiert in Litauen: Deutsche Soldaten sollen dort ein Mädchen vergewaltigt haben. Eine Falschnachricht, die vor der Münchner Sicherheitskonferenz böse Ahnungen verstärkt.

          Die Bundeswehr muss sich in ihrem Einsatz an der Nato-Ostflanke offenbar auf Störaktionen einstellen, die zum Ziel haben, deutsche Soldaten zu diskreditieren. Das Verteidigungsministerium in Berlin bestätigte am Donnerstag einen Bericht der Zeitschrift „Der Spiegel“, wonach das deutsche Truppenkontingent Opfer einer Fake-News-Kampagne geworden ist.

          Ein Sprecher des Ministeriums sagte gegenüber FAZ.NET, dem litauischen Parlamentspräsidenten sei am 14. Februar ein elektronisches Schreiben zugegangen, in dem behauptet worden sei, dass deutsche Soldaten am 9. Februar ein minderjähriges litauisches Mädchen in der Stadt Jonava vergewaltigt hätten. Daraufhin seien Innenministerium, Verteidigungsministerium und Polizei des Landes sowie der deutsche Kontingentführer informiert worden. Die polizeilichen Ermittlungen hätten anschließend ergeben, dass es weder ein Opfer, noch Zeugen oder einen Täter gebe.

          Fake-News-Attacken dieser Art sind nicht neu: Der in Deutschland prominenteste Fall ereignete sich Anfang 2016. Damals hatten sich im Internet rasant Gerüchte verbreitet, nach denen Flüchtlinge ein 13 Jahre altes, russischstämmiges Mädchen in Berlin vergewaltigt hätten. Es kam zu Protesten, Russlands Außenminister warf Deutschlands Behörden noch Versäumnisse vor, als der Fall sich bereits als unwahr herausgestellt hatte.

          Wer steckt hinter den Fake-News?

          Neu ist das Ziel: Die Bundeswehr führt in Litauen ein Nato-Bataillon, das wie die Schwesterbataillone in Estland, Lettland und Polen ein Symbol der Rückversicherung für die Mitglieder sein soll, die direkt an Russland angrenzen und angesichts des Vorgehens Moskaus in der Ukraine in Sorge sind. Das litauische Bataillon soll in seiner vollen Stärke einmal 1000 Soldaten umfassen, davon knapp die Hälfte aus Deutschland. Aktuell umfasst das erste Kontingent, das erst Anfang Februar ins Baltikum aufbrach, laut Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr 229 Soldatinnen und Soldaten. Der Stationierungsort Rukla liegt nur eine kurze Autofahrt von Jonava entfernt.

          Wer hinter der Fake-News-Attacke steckt, ist bislang offen. Die E-Mail-Adresse der Nachricht wurde inzwischen gelöscht. Nun fahnden die litauischen Behörden nach Unbekannten und versuchen, die IP-Adresse ausfindig zu machen, mit der die Nachricht ursprünglich verschickt wurde. Öffentliche Vermutungen nahmen führende Vertreter des Bündnisses bis zum Abend nicht vor. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wies in Brüssel lediglich noch einmal generell auf die Wichtigkeit hin, Fakten zu checken. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte in der Talkshow „Maybrit Illner“ am Abend angesichts der Attacke auf die Bundeswehr: „Wir können uns nur dagegen wehren, indem wir diese Muster offenlegen.“

          Die Sorge vor der Manipulation von Nachrichten treibt auch Teilnehmer der Münchner Sicherheitskonferenz um, die am Freitag beginnt. Vor Auftakt der Veranstaltung wiesen sie bei einer öffentlichen Diskussion im Tagungshotel „Bayerischer Hof“ auf die zahlreichen Risiken hin, die sich aus Falschnachrichten ergeben können – angefangen von Tweets „einsamer Wölfe“, die wie im Fall des Amoklaufs von München 2016 über Stunden Tausende Polizisten binden und Zehntausende Menschen verunsichern können, bis hin zu organisierten Kampagnen, die sich im Rahmen hybrider Kriegsführung zur Aufwiegelung von Bevölkerungsteilen nutzen lassen.

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