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Sicherheitsberater Christoph Heusgen : Merkels Mann für heikle Missionen

  • -Aktualisiert am

Die Lage ist ernst: Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem außenpolitischen Berater Heusgen Bild: dapd

Christoph Heusgen berät die Bundeskanzlerin bei der Außen- und Sicherheitspolitik. Heikle Missionen wie die Aufklärungsreise nach Washington in Sachen Spähaffäre sind seine Aufgabe. Und die Lage ist ernst.

          Dass sich nun auch Christoph Heusgen in Sachen Spionage-Aufklärung auf den Weg nach Washington gemacht hat, zeigt: Die Lage ist ernst, und sie geht weit über Fragen der Zusammenarbeit von Nachrichtendiensten hinaus.

          Heusgen ist „Leiter der Abteilung 2“ im Bundeskanzleramt, die für außen- und sicherheitspolitische Angelegenheiten und auch für Entwicklungspolitik zuständig ist. Wichtiger ist seine wahre Funktion. Heusgen ist, wie es auch im Handbuch der Bundesregierung geschrieben steht, der „Außen- und Sicherheitspolitische Berater der Bundeskanzlerin“. Als solcher ist er der Ansprechpartner der Sicherheitsberater amerikanischer Präsidenten.

          Zu kitten ist ein „gravierender Vertrauensbruch“ zwischen den Regierungszentralen in Washington und in Berlin – und wohl auch zwischen Barack Obama und Angela Merkel persönlich. Diese Krise zu bewältigen, konnte die Kanzlerin nicht allein dem ebenfalls nach Washington entsandten Geheimdienstkoordinator Günter Heiß überlassen.

          Kein Heißsporn

          Heusgen ist kein Heißsporn. Der 1955 in Düsseldorf geborene Rheinländer hat – gepolstert mit einem freundlich präsentierten Hang zur Ironie – einen ganz und gar analytischen Zugang zur Politik, und zum Selbstbewusstsein des Diplomaten gehört es, dem Wahrheitsgehalt von Geheimdienstberichten mit Zweifeln zu begegnen. Die Formel „Abhören unter Freuden geht gar nicht“ wurde im Sommer schon benutzt, als die deutschen Dienste über die Spähaktionen noch ein „Nichts ist bewiesen“ verbreiteten.

          Das Telefonat vor nun einer Woche, bei dem sich die Bundeskanzlerin bei Obama persönlich beschwerte, hatte Heusgen mit seinen amerikanischen Gesprächspartnern vorbereitet. Es wird ein Balanceakt zwischen Deutlichkeit dem Willen gewesen sein, nicht noch mehr Porzellan im bilateralen Verhältnis zu zertrümmern. Das zu bewältigen, helfen Erfahrungen und Personenkenntnisse.

          Christoph Heusgen

          Heusgen, der in der Schweiz, den Vereinigten Staaten und Frankreich Wirtschaftswissenschaften studiert hatte, ist seit 1980 im Auswärtigen Dienst tätig. Stets war er – in Bonn oder im Ausland – mit Beziehungen zu den westlichen Partnern Deutschlands befasst. Heusgen arbeitete auch im Büro des früheren Außenministers Klaus Kinkel (FDP). 1999 wurde er in Brüssel Leiter des Stabs des damaligen EU-Außenbeauftragten Javier Solana. Schon Gerhard Schröder hatte erwogen, Heusgen ins Kanzleramt zu holen, was wohl wegen dessen CDU-Mitgliedschaft zurückgestellt wurde.

          Seit 2005 steht Heusgen in den Diensten Merkels. Bei allen ihren Auslandsreisen ist er dabei. Heikle Missionen zu erfüllen, ist seine Aufgabe. Augenscheinlich erfüllt sie ihn. Merkels oberste Erwartungen an ihre wichtigsten Helfer hat er zu erfüllen: Verschwiegenheit und den Verzicht auf Wünsche, sich auf ehrgeizige Weise in den Vordergrund zu drängen – was sogar Diplomaten gerne tun. Die Kehrseite hat Heusgen zu ertragen. Bislang. Andere Vertraute Merkels aus deren Anfangszeit im Kanzleramt 2005 bekamen schöne und hohe Posten anderswo. Heusgen blieb.

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