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Hitzewelle in Sibirien : Der Klimawandel erreicht eine gefährliche Schwelle

Die am 19.06.2020 vom ECMWF Copernicus Climate Change Service besorgte Karte zeigt die Oberflächentemperatur im Osten Sibiriens. Bild: dpa

Nirgendwo schreitet die Erderwärmung so schnell voran wie nördlich des Polarkreises. In Sibirien kann man gerade beobachten, wie sie beginnt, sich durch Rückkopplung selbst zu verstärken.

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          Es wird immer noch geprüft. Die Weltmeteorologiebehörde will ganz sicher gehen, ob die Meldung stimmt, die am Samstag, den 20. Juni, um kurz vor halb elf Uhr publik wurde: Im Norden Sibiriens wurden um 9 Uhr an jenem Morgen 38,0 Grad Celsius gemessen – in Werchojansk, das eigentlich einer der kältesten bewohnten Ort der Welt ist. Um diese Zeit haben die etwas mehr als tausend Einwohner stets viel Licht, die Sonne geht auch bei Nacht nicht ganz unter, aber dieses Jahr haben sie dreißig Fahrenheit mehr als üblich.* In Yukon in Alaska, hundert Kilometer südlicher, aber auch immer noch nördlich des Polarkreises, hatte man 1915 einmal ähnlich hohe Temperaturen gemessen. Damals waren solche meteorologischen Störungen noch extreme Launen der Natur.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Doch was sich seit Wochen in einem großen Gebiet Ostsibiriens abspielt, ist ganz offensichtlich Teil der neuen Normalität. Der beschleunigte Klimawandel, angestoßen durch die seit Jahrzehnten ungebremste Anreicherung von Treibhausgasen und Aerosolen, insbesondere von Kohlendioxid, destabilisiert die irdische Atmosphäre inzwischen beängstigend schnell. Der Polarwirbel mit seinen gewaltigen Luftströmen in der Hochatmosphäre, der die Arktis zuverlässig unter dem Kaltlufteinfluss aus dem hohen Norden hielt, solange die Menschen denken können, kommt unter den sich angleichenden Temperaturunterschieden zwischen Nord und Süd immer öfter ins Straucheln.

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