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Selbstmordanschlag in Kabul : Tote nach Angriff auf Isaf-Militärkonvoi

  • Aktualisiert am

Eine amerikanische Soldatin sichert die Anschlagstelle auf einem Militärfahrzeug in der afghanischen Hauptstadt Bild: AFP

In der afghanischen Hauptstadt hat ein Selbstmordattentäter einen Militärkonvoi angegriffen. Bei der Explosion kamen zahlreiche Menschen ums Leben, darunter auch zwei Isaf-Soldaten.

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          Die afghanische Hauptstadt ist erstmals seit zwei Monaten wieder Ziel eines schweren Anschlags geworden. Der Selbstmordanschlag erfolgte offenbar mit einer Autobombe inmitten des Berufsverkehrs am Donnerstagmorgen und richtete sich gegen einen Konvoi ausländischer Truppen. Bei der Explosion wurden laut Angaben des afghanischen Gesundheitsministeriums mindestens neun einheimische Zivilisten, darunter zwei Kinder getötet sowie 39 weitere verletzt. Die Nato-geführte Isaf teilt mit, bei dem Anschlag seien zwei ihrer Soldaten und vier ihrer zivilen Mitarbeiter getötet worden. Angaben zur Nationalität der Soldaten machte sie nicht. Laut Auskunft des Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam befinden sich keine deutschen Soldaten unter den Opfern.

          Die radikalislamische Hizb-i-Islami (HIG) des ehemaligen Premierministers Gulbuddin Hekmatjar bekannte sich zu der Tat. Sie gehört neben den Taliban und dem Haqqani-Netzwerk zu den drei großen Aufständischen-Gruppen, die gegen die afghanische Regierung und ihre ausländischen Unterstützer kämpfen.

          Ein Fotograf der französischen Nachrichtenagentur AFP berichtete von abgesperrten Straßen rund um den Anschlagsort, der im Südosten der Stadt lieht. Zu sehen waren auf ersten Fotos vom Anschlagsort ein zerstörtes Fahrzeug und ein Haus mit zerstörten Fensterscheiben. Amerikanische Soldaten trafen nach der Tat am Ort des Attentats ein. Ein Sprecher der Nato-geführten Militärmission Isaf sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Truppe sei über die Explosion informiert, weitere Einzelheiten könnten aber zunächst nicht bestätigt werden. Laut Polizeiangaben wurden bei dem Anschlag durch die Wucht der Explosion mindestens zehn Häuser schwer beschädigt.

          Die Anschlagsstelle in Kabul am Donnerstagmorgen
          Die Anschlagsstelle in Kabul am Donnerstagmorgen : Bild: AFP

          Die Gewalt in Afghanistan hat in den vergangenen Wochen deutlich
          zugenommen. In Kabul hatte sich zuletzt am 9. März ein
          Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt; er riss neun Menschen mit
          in den Tod. Zu dem Anschlag war es wenige Stunden nach der Ankunft
          von US-Verteidigungsminister Chuck Hagel gekommen, der sich zum
          Zeitpunkt der Explosion aber nicht in der Nähe aufhielt. . Präsident Hamid Karsai verurteilte den Anschlag am Donnerstag als „unmenschlich und unislamisch“.




          Eckpunkte der Bundeswehrreform

          Die Bundeswehrreform wurde Mitte 2010 vom damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf den Weg gebracht. Ab März 2011 setzte sie sein Nachfolger Thomas de Maizière (CDU) fort. Hier die Kernpunkte:

          WEHRPFLICHT: Die Wehrpflicht wurde zum 1. Juli 2011 ausgesetzt und
          durch einen freiwilligen Wehrdienst ersetzt, der bis zu 23 Monate
          dauert.

          TRUPPENSTÄRKE: Anfang 2010 hatte die Bundeswehr noch 250 000
          Soldaten, künftig sollen es nur noch 170 000 Berufs- und Zeitsoldaten
          und bis zu 15 000 freiwillig Wehrdienstleistende sein. Durch das
          Aussetzen der Wehrpflicht ist die Bundeswehr bereits auf 187 000
          Soldaten geschrumpft.

          ZIVILBESCHÄFTIGTE: Die Zahl der Zivilbeschäftigten wird von 76 000
          auf 55 000 verringert.

          STANDORTE: 32 Bundeswehrstandorte werden bis 2017 geschlossen, rund 90 teils drastisch verkleinert. Nach Umsetzung der Reform werden nur noch 263 Standorte übrig sein.

          MINISTERIUM: Das Verteidigungsministerium wird um ein Drittel
          verkleinert - von derzeit gut 3000 auf 2000 Mitarbeiter. Langfristig
          soll davon die Mehrheit in Berlin arbeiten, der Erstsitz des
          Ministeriums bleibt aber in Bonn.

          REFORMBEGLEITPROGRAMM: Mit einem milliardenschweren Maßnahmenpaket will de Maizière den geplanten Abbau von 36 000 Stellen bei der Bundeswehr sozialverträglich gestalten und die Attraktivität der
          Truppe verbessern. Allein bis 2015 soll das Programm den Steuerzahler
          rund eine Milliarde Euro kosten.

          AUSRÜSTUNG: De Maizière will Milliarden-Kürzungen bei wichtigen
          Rüstungsprojekten vornehmen. Verzichten will er unter anderem auf 37
          Eurofighter-Kampfjets (140 statt 177), 40 Tiger-Kampfhubschrauber (40
          statt 80) und 42 Transporthubschrauber NH-90 (80 statt 122). Die
          Streichliste umfasst 20 Hauptwaffensysteme. (dpa)

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