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Seekrieg 1914-1918 : Der Kerkermeister der deutschen Flotte

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Die kaiserliche Hochseeflotte war nur selten im Einsatz Bild: Deutscher Taschenbuch Verlag

Angesichts der Stacheldrahtwüsten der Westfront wird die maritime Seite des Ersten Weltkrieges meist vergessen. Hier führte die Kaiserliche Marine, eingesperrt in die Nordsee, einen merkwürdigen Krieg.

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          Der Erste Weltkrieg ist als Land- und Stellungskrieg in die kollektive Erinnerung eingegangen. Bis heute verbinden wir mit dieser „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts in erster Linie Bilder einer Schützengraben- und Stacheldrahtwüste. Weit weniger stark ins Bewusstsein der nachfolgenden Generationen eingeprägt hat sich dagegen die maritime Seite des Konflikts. Doch der Krieg erfasste auch das Meer. Vor allem die Nordsee wurde zum Schlachtfeld. Dort sah das Deutsche Reich, das im Westen gegen Frankreich, im Osten gegen Russland kämpfte, sich unmittelbar mit der dritten der drei gegnerischen Ententemächte konfrontiert: Großbritannien.

          Großbritannien war der Gegner, „gegen den wir am dringendsten ein gewisses Maß an Flottenmacht als politischer Machtfaktor haben müssen“. So hatte es keine zwanzig Jahre vor Kriegsbeginn Admiral Alfred von Tirpitz formuliert, der Baumeister der deutschen Flotte. Tatsächlich gelang es ihm, innerhalb weniger Jahre eine maritime Streitmacht aus dem Boden zu stampfen, die 1914 die zweitstärkste der Welt war, überragt allein von der britischen Royal Navy. Sein ursprüngliches Ziel jedoch, mit den waffenstarrenden Kriegsschiffen als Druckmittel London politische und wirtschaftliche Zugeständnisse abzupressen und Deutschland zum gleichberechtigten Global Player an der Seite des British Empire zu machen, hatte der „Tirpitz-Plan“ verfehlt. Die Briten hatten sich nicht einschüchtern lassen, sondern ihrerseits massiv aufgerüstet.

          Dem Gegner klar unterlegen

          Für die deutschen Militärstrategen stellte sich daher im August 1914 die Frage, was man mit der Flotte anfangen sollte, deren Existenz eher politischen denn militärischen Zwecken dienen sollte und die ihrem einzigen ernstzunehmenden Gegner an Kampfkraft klar unterlegen war. Eine Antwort auf diese Frage war um so schwerer zu finden, da die Annahme des kaiserlichen Admiralstabs, die Royal Navy würde nach Kriegsbeginn sogleich die Offensive suchen und einen engen Blockadegürtel vor die deutsche Nordseeküste legen, sich als völlige Fehleinschätzung entpuppte. Die Briten dachten nämlich überhaupt nicht daran, ihre heimatlichen Stützpunkte zu verlassen und wertvolle Schiffe für etwas zu riskieren, das sie auch zu einem viel geringeren Preis bekommen konnten.

          Dank ihrer Basen in Südengland und Schottland konnte die englische Marine die Nordsee ohne große Bemühungen sperren. Die deutsche Flotte saß meist in ihren Basen fest
          Dank ihrer Basen in Südengland und Schottland konnte die englische Marine die Nordsee ohne große Bemühungen sperren. Die deutsche Flotte saß meist in ihren Basen fest : Bild: Stepmap, Fotos AP/gemeinfrei, Grafik Bernd Helfert

          Indem sie sich darauf beschränkte, die beiden Nordseeausgänge im Ärmelkanal sowie zwischen Schottland und Norwegen zu sperren, erreichte die Royal Navy ihre wichtigsten Ziele, den Schutz der britischen Küsten und des britischen Seehandels, ebenso leicht wie die Unterbrechung der deutschen Seeverbindungen in den Atlantik. Während Deutschland dadurch weitgehend von Importen abgeschnitten war, konnten die Briten und ihre Verbündeten nahezu uneingeschränkt auf die Industrieproduktion der Vereinigten Staaten und die Ressourcen ihrer Überseereiche zurückgreifen.

          Die „SMS Blücher“ wurde bei einem der seltenen Aufeinandertreffen der beiden Flotten, bei der Schlacht auf der Doggerbank, versenkt
          Die „SMS Blücher“ wurde bei einem der seltenen Aufeinandertreffen der beiden Flotten, bei der Schlacht auf der Doggerbank, versenkt : Bild: Deutscher Taschenbuch Verlag

          Die deutsche Flotte war gegen diese Vorgehensweise praktisch machtlos. Ein Angriff auf die britische Blockadelinie im Ärmelkanal war wegen der starken Sicherung durch Minenfelder, U-Boote und Zerstörer nahezu aussichtslos, und für eine Seeschlacht hoch oben im Norden fehlte den deutschen Schiffen die nötige Reichweite und die Rückendeckung durch eigene Stützpunkte. Da außerdem Kaiser Wilhelm II. grundsätzlich gegen einen allzu riskanten Einsatz „seiner“ Schiffe war, die er als Faustpfand für etwaige Friedensverhandlungen mit England unbedingt zu schonen wünschte, dümpelten die millionenteuren, mit modernster Waffentechnik ausgerüsteten Linienschiffe und Schlachtkreuzer die meiste Zeit des Krieges in Wilhelmshaven und Kiel friedlich an ihren Ankerketten.

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