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Schwache Lohnentwicklung : Renten-Prognose war zu optimistisch

  • Aktualisiert am

Vor zehn Jahren wurden noch 22 Prozent mehr Rente vorhergesagt Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Rentner müssen mit deutlich weniger Geld auskommen als noch vor zehn Jahren. Dies geht aus Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung Bund hervor. Der Grund: die schwache Entwicklung der Bruttolöhne, an denen sich die Rentenbeiträge orientieren.

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          Rentner müssen mit weniger Geld auskommen, als noch vor zehn Jahren vorhergesagt. Die Deutsche Rentenversicherung Bund bestätigte, daß für 2009 nur noch 1.180 Euro Eckrente erwartet werden. Die Prognose von 1995 lag noch 330 Euro höher, nämlich bei 1.510 Euro. Der jetzt erwartete Wert beträgt nur noch 78 Prozent von dem, was 1995 in Aussicht gestellt wurde.

          Allerdings gibt es dafür Gründe: Die Löhne sind seit damals weit weniger gestiegen als erwartet. Denn die jährliche Anpassung der Renten im Juli folgt grundsätzlich der Entwicklung der Löhne im Vorjahr. Seit den Rentenreformen 2001 und 2004 gelten Abschläge, so daß die Altersbezüge immer etwas weniger steigen als die Einkommen der Aktiven. De facto war die Lohnentwicklung in den vergangenen Jahren so schwach, daß für dieses Jahr bereits die dritte Renten-Nullrunde in Folge gilt. All dies spielte bei der Prognose im Rentenbericht 1995 noch keine Rolle.

          Ministerium: Schrumpf-Rente ist „unsinnig“

          Damals sei für das Jahr 2009 ein Bruttoentgelt von durchschnittlich 39.787 Euro vorhergesagt worden, erklärte die Rentenversicherung. Inzwischen würden nur noch 30.787 Euro für jenes Jahr erwartet. Auch das seien - wie beim prognostizierten Rentenwert - 78 Prozent der ursprünglich vorhergesagten Summe. „Im Ergebnis entsprechen sich also die Abweichungen sowohl bei der vorhergesagten Bruttorente als auch bei den Bruttoentgelten“, hieß es weiter.

          Das Bundessozialministerium hat einen Bericht der „Bild-Zeitung“ über schrumpfende Renten als „Verunsicherungskampagne“ kritisiert. Der vorgenommene Vergleich der Rentenprognosen in den vergangenen zehn Jahren sei „unsinnig“, sagte ein Ministeriumssprecher.

          Riester-Rente vorerste wohl keine Pflicht

          Tatsächlich sind die durchschnittlichen Renten aber gewachsen, wenn auch geringfügig, erklärte ein Sprecher der Rentenversicherung. Lag die durchschnittliche gesetzliche Versichertenrente für Männer in den alten Bundesländern 1995 bei 917 Euro, so waren es 2005 immerhin 986 Euro; in den neuen Ländern wuchs der Betrag von 819 auf 1.022 Euro. Bei Frauen erhöhten sich die Durchschnittsbeträge im Westen von 406 auf 480 und im Osten sogar von 522 auf 663 Euro.

          Unterdessen wurden weitere Details aus dem Alterssicherungsbericht bekannt, den Sozialminister Franz Müntefering am Mittwoch gemeinsam mit dem aktuellen Rentenversicherungsbericht für die nächsten 15 Jahre im Kabinett zur Debatte stellen will. Aus dem mehr als 400 Seiten starken Alterssicherungsbericht geht unter anderem hervor, daß die Riester-Rente vorerst nicht zur Pflicht werden soll. 2007 soll darüber abermals entschieden werden. Dann soll auch noch einmal debattiert werden, ob die 2008 auslaufende Entgeltumwandlung verlängert wird.

          5,6 Millionen Menschen haben Riester-Rente

          SPD-Sozialexperte Klaus Brandner sagte allerdings, er erwarte keine Verlängerung. Die Entgeltumwandlung bietet die Möglichkeit, einen Teil des Gehalts in die betriebliche Altersvorsorge einzuzahlen, ohne daß Sozialbeiträge oder Steuern fällig werden. Dies hat zu erheblichen Beitragsverlusten bei den Sozialkassen geführt.

          Insgesamt haben laut dem Bericht, inzwischen 5,6 Millionen Menschen in Deutschland die staatlich geförderten Riester-Verträge abgeschlossen. Rund 1,5 Millionen Verträge seien allein im vergangenen Jahr hinzugekommen. Daneben haben inzwischen rund 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Anspruch auf Betriebsrente erworben.

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