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Schutzschirm für die Ukraine : Was Selenskyj fordert – und was die Verbündeten im Angebot haben

Der ukrainische Präsident Selenykj spricht am Dienstag zu den Staats- und Regierungschefs der G-7-Staaten. Bild: dpa

Die Abwehr von russischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen ist jetzt Priorität Nummer eins für Kiew. Das erste moderne System aus Deutschland ist eingetroffen.

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          Ein „Schutzschirm für die Ukraine“, das war die größte Bitte des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Am Dienstag trug er sie den Staats- und Regierungschefs der G-7-Staaten vor, zu deren Videokonferenz er zugeschaltet wurde. Zuvor hatte Selenskyj in allerlei Telefonaten um Luftverteidigungssysteme gebeten. Schon als er vorige Woche in Prag zu den Regierungschefs Europas sprach, war das seine oberste Priorität.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Die massiven Luftangriffe Russlands auf Kiew und weitere Großstädte seit Anfang der Woche haben der Forderung zusätzliche Dringlichkeit verliehen. Zwar konnten die Verteidiger nach ihren Angaben etwa die Hälfte der Raketen, Marschflugkörper und Drohnen abschießen, vorwiegend mit den sowjetischen Systemen Buk und S-300. Doch die andere Hälfte tötete allein am Montag elf Menschen und richtete schwere Schäden an der Energieversorgung des Landes an.

          Am Mittwoch kommen die Verteidigungsminister und obersten Militärs von fast fünfzig Staaten in Brüssel zusammen, um ihre weitere Unterstützung der Ukraine abzustimmen. Es ist das sechste Treffen im sogenannten Ramstein-Format. Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow dankte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht für die Lieferung des ersten von vier Luftverteidigungssystemen Iris-T SLM, das am Dienstag übergeben worden war. „Eine neue Ära der Luftverteidigung hat begonnen“, schrieb er vor Beginn des Treffens, an dem er teilnimmt, auf Twitter.

          Am Rande des Treffens bezeichnete Lambrecht die Lieferung des deutschen Luftverteidigungssystems als wichtige Unterstützung „im Kampf gegen Raketenbeschuss, gegen diesen Terror, der gegenüber der Bevölkerung ausgeübt wird“. Deutschland werde sich bemühen, die drei weiteren Systeme so schnell wie möglich bereitzustellen. „Luftverteidigung ist momentan das Vordringlichste, und deswegen unterstützen wir da auch mit allen Möglichkeiten, die wir haben“, sagte Lambrecht weiter.

          Das vom deutschen Hersteller Diehl Defense entwickelte System Iris-T SLM ist nicht nur das erste westliche, sondern auch das modernste Luftverteidigungssystem, das die Ukraine bekommen hat. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte es dem Land Anfang Juni versprochen. „Damit versetzen wir die Ukraine in die Lage, eine ganze Großstadt vor russischen Luftangriffen zu schützen“, sagte Scholz seinerzeit im Bundestag. Die Bundesregierung musste dafür auf Ägypten einwirken.

          Das Luftverteidigungssystemen vom Typ Iris-T SLM bei einer Ausstellung im Juni
          Das Luftverteidigungssystemen vom Typ Iris-T SLM bei einer Ausstellung im Juni : Bild: dpa

          Das Land hatte 2018 sieben Einheiten bestellt und stimmte zu, dass vier davon zunächst an Kiew gehen. Selenskyj dankte Scholz am Dienstag dafür, dass er die Lieferung „beschleunigt“ habe. Die drei weiteren Systeme sollen im nächsten Jahr ausgeliefert werden. Anschließend ist Ägypten dran, erst danach die Bundeswehr. Sie will das System aus dem Sondervermögen von hundert Milliarden Euro beschaffen.

          Iris-T wurde 2005 als Lenkflugkörper für den Eurofighter in Dienst gestellt. Darauf aufbauend entwickelte Diehl Defence seit 2007 ein bodengestütztes Luftverteidigungssystem mittlerer Reichweite; der Zusatz SLM steht für Surface Launched Medium Range. Dafür wurde die Reichweite der Abfangrakete deutlich erhöht, jeweils acht davon starten aus einem mobilen Werfer. Sie steuern ihr Ziel mit einem hochmodernen, störresistenten Infrarotsuchkopf an, können die Zieldaten aber auch per GPS übertragen bekommen. Erfasst wird das Ziel durch ein Radar mit 360 Grad-Abdeckung. Diese Konfiguration ist dem alten Patriot-System überlegen, bei dem mehrere Einheiten kombiniert werden müssen, um eine Rundum-Verteidigung zu gewährleisten.

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