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Schuldenkrise : Sie sät Zwietracht

Das Nein eines um seine „Ehre“ besorgten Inselstaates reichte, um das große Rad der Krise wieder in Bewegung zu setzen. Und schon zeigt sich, wie schwach mitunter die Bande sind, die mit dem Euro geschmiedet wurden.

          Ein paar Monate lang schien sich das große Rad der Krise nur noch zentimeterweise zu drehen. Doch schon das Nein eines um seine „Ehre“ besorgten Inselstaates reichte, es wieder in Schwung zu bringen. Gleich nach der ersten Drehung zeigen sich auch wieder die Zentrifugalkräfte der Krise, die am Zusammenhalt der Eurozone zerren. Die Krise schweißt die Europäer nicht zusammen, sie sät Zwietracht. Und das, obwohl es in der auf eine reiche Umverteilungsgeschichte zurückblickenden EU noch nie eine derartige milliardenschwere Solidarität gegeben hat wie jetzt.

          Die schwachen Bande des Euro

          Der Grund für das Auseinandertreiben liegt auf der Hand: Niemand gibt gern den Wohlstand auf, der - auf welche Weise auch immer - im Zeichen des Euro erworben wurde. Kaum jemand will einsehen, dass das gute Leben eines auf Pump war, im Falle Zyperns mitgetragen von zweifelhaften Finanzgeschäften auf Kosten Dritter, und sei es des russischen Fiskus. Kommen, wenn die Lichter der Party langsam ausgehen, aber die Wirtschaftsprüfer von EU und IWF und machen ihre Hilfe von der Bereitschaft zur Selbsthilfe abhängig, ist es schnell vorbei mit den glühenden Bekenntnissen zu Europa. Dann wird, wie schon in Griechenland, das alte Naziklischee herausgeholt und, das ist neu, die Erlösung im Osten gesucht. Ein EU-Mitglied, das sich von seinen Partnern abwendet und Moskau anbettelt - noch nichts zeigte auf so unmissverständliche Weise, wie schwach mitunter die Bande sind, die der Euro schmiedete.

          Die Fliehkräfte der Krise, verstärkt durch den aufziehenden Bundestagswahlkampf, erfassten inzwischen auch die informelle große Euro-Rettungs-Koalition in Berlin. SPD-Chef Gabriel wirft der Kanzlerin vor, sie habe zugelassen, dass in Zypern erstmals die Inhaber von Sparguthaben „faktisch teilenteignet“ würden. Eine faktische Teilenteignung läuft in Deutschland freilich schon ab, seit die Sparzinsen nach Steuern unter der Inflationsrate liegen. An diesen Verhältnissen hat auch eine Krisenpolitik ihren Anteil, die von der SPD bisher vollumfänglich mitgetragen wurde. Würden gar die befürchteten Inflationsszenarien wahr werden, dann müsste sich die SPD über andere Dimensionen der Enteignung Sorgen machen als über jene, die in Zypern ausgefallen ist. Doch Gabriel hat jetzt anderes im Kopf: Er braucht Stoff, mit dem er die Kanzlerin in ihrer Paradedisziplin angreifen kann. Es sieht so aus, als täte die Krise ihm den Gefallen.

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