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Lesefähigkeit von Schülern : Sprengstoff für die Demokratie

  • -Aktualisiert am

Ein Schüler einer achten Klasse liest ein Buch. Bild: dpa

Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern sind im Internet noch anfälliger für jedwede Art der Propaganda und Meinungsmache.

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          Wenn mehr als die Hälfte der 15 Jahre alten Schüler nicht zwischen Meinung und Fakten unterscheiden können, ist das nicht nur ein Armutszeugnis für ihre Lesefähigkeit, sondern auch ein politischer Befund. Denn die Mehrheit der Jugendlichen ist damit anfällig für Beeinflussung im Netz, auch wenn sie ausweislich der OECD-Sonderauswertung zur Pisa-Studie 2018 ein enormes theoretisches Wissen zum Umgang mit Quellen im Internet besitzt.

          Da Lesefähigkeit am stärksten mit dem Elternhaus verknüpft ist, weil die Anzahl der Bücher zu Hause und die elterlichen Vorbilder beim Lesen immer noch Schlüsselindikatoren für gute Leser sind, wird der Befund noch brisanter für die bildungsfernen Schichten. Deren Büchermengen waren schon immer gering, haben aber in den letzten Jahren noch mehr abgenommen.

          Wer außerdem nicht „analog“ liest, hat keine Freude beim Lesen und kann es auch schlechter. Dieser Befund ist angesichts der Internetseligkeit vieler Bildungspolitiker geradezu revolutionär. Das bedeutet aber auch, dass die Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern im Internet noch anfälliger sind für jedwede Art der Propaganda und Meinungsmache.

          Gerade in der Pandemie dürfte der auf 21 Prozent bezifferte Anteil der schwachen Schüler, die nicht einmal das Mindestniveau im Lesen erreichen, noch größer geworden sein, damit auch deren Anfälligkeit für Manipulation.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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