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Kanzlerkandidat Scholz : Rotangestrichene Merkel

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Von sich überzeugt: Olaf Scholz leitet am 4. August die Kabinettssitzung. Bild: dpa

Die SPD stellt ganz den Kanzlerkandidaten Scholz in den Mittelpunkt. Bislang zündet das nicht. Aber die Wähler sind beweglich wie selten. Kann der Finanzminister davon profitieren?

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          Die Wahlkampagne der SPD ist professionell, sogar originell. Und sie hat einen guten und respektablen Kandidaten. Scholz bringt innenpolitische wie internationale Erfahrung mit und hat den Wahlkampfschlager der Grünen, ein Klimaschutzministerium mit Vetorecht, locker einkassiert, indem er das Thema zur noch wichtigeren Chef- und Scholz-Sache erklärt hat.

          Dass der Finanzminister im Flutgebiet unangemessen lachen würde, ist nahezu ausgeschlossen, da brauchen die Kameras gar nicht draufhalten. Aber das ist eben auch das Problem: Niemand schaut hin. Der Kandidat ist kein Thema, die SPD erst recht nicht und die Ampel, die einzige Machtoption für Scholz, kaum ernstzunehmen.

          All das kann sich in den sieben Wochen bis zur Bundestagswahl noch ändern. Zwar steht die SPD seit langer Zeit in den Meinungsumfragen wie festgenagelt bei 16 Prozent. Aber der Bürger ist beweglicher als bei vergangenen Wahlen. Warum sollte nicht auch die SPD davon profitieren? Gut 20 Prozent der Zweitstimmen könnten womöglich für die Kanzlerschaft reichen. Für die SPD bleibt aber ein Problem: Sie setzt ganz auf den Typ rotangestrichene Merkel („Scholz packt das an“), die wird aber nur in Potsdam auf dem Stimmzettel stehen. Die Partei muss für die übrigen Bundesbürger gleichzeitig verschwinden und wählbar bleiben.

          Merkel tritt nicht mehr an, wird aber vermisst

          Das hat bei Merkel gut funktioniert. Allerdings sollte daraus nicht der Schluss gezogen werden, die Deutschen wählten in erster Linie Personen. Die Bindungen an Parteien – es muss nicht immer dieselbe sein – sind noch stark ausgeprägt.

          Es ist paradox: Mit der Wahl im September wird der Wechsel kommen, denn Merkel tritt nicht mehr an. Aber viele werden die Bundeskanzlerin vermissen. Also dreht sich der Wettstreit der neuen Kandidaten darum, wer Merkel am ähnlichsten ist. Ausgerechnet Laschet schneidet gerade am schlechtesten ab. Weshalb die Union es ganz anders macht als die SPD: Nicht der Kandidat steht im Mittelpunkt der Kampagne, sondern ein unbestimmtes Gefühl („Deutschland gemeinsam machen“). Gut möglich, dass sich die Wähler dann doch dafür entscheiden.

          Mona Jaeger
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

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