https://www.faz.net/-gpf-72pk2

Schmidt und Steinbrück : „Weil ich nicht mehr viel Zeit habe“

2011 waren Peer Steinbrück und Helmut Schmidt bei Günther Jauch zu Gast Bild: dpa

Helmut Schmidt und Peer Steinbrück verbindet eine Freundschaft. Der Altkanzler sieht in dem ehemaligen Finanzminister den optimalen Kanzlerkandidaten für die SPD. Nur langsamer reden muss er laut Schmidt noch lernen.

          5 Min.

          Es ist das Jahr 1994, als die Wege des Wirtschaftsministers von Schleswig-Holstein, Peer Steinbrück, und des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt sich zum ersten Mal kreuzen. Das war ziemlich unerfreulich. Schmidt, einer der Mitbegründer des Schleswig-Holstein Musik Festivals, fürchtete, Steinbrück treibe ebendieses in den Ruin. Es dauert eine ganze Weile, bis die beiden sich näherkommen und am Ende die Idee entsteht, dass Schmidt Steinbrück als Kanzlerkandidat ausruft. Wie kam es dazu?

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Peer Steinbrück ist schon Bundesfinanzminister, als er dem ehemaligen Kanzler näherkommt. Erst von da an könne man von einer persönlichen Bekanntschaft sprechen, sagt Schmidt im Gespräch. „Es war gleich eine gegenseitige Sympathie da. Wir waren aufeinander neugierig. Ich habe jemanden entdeckt, der ähnlich tickt und der versteht, wovon er redet“, so Schmidt. Dabei träfen sie sich nur wenige Male im Jahr. Dass die gemeinsame Herkunft für ihr rasches Verständnis füreinander wichtig ist, gibt Schmidt zu: „Er ist Hamburger, Norddeutscher, das verbindet uns.“ Auf die Frage, ob er mit Steinbrück befreundet sei, antwortet Helmut Schmidt positiv und vergleicht die Beziehung mit jener, die er zu einem ehemaligen amerikanischen Außenminister hat: „Ja, es ist eine Freundschaft. So eine Freundschaft habe ich auch mit George Shultz, den habe ich dann jahrelang nicht gesehen, und es ist wie gestern.“ Obwohl Schmidt 28 Jahre älter ist, empfindet er die Beziehung zu Steinbrück nicht als eine, die einem Vater-Sohn-Verhältnis ähnelt.

          Gespräche über politische und ökonomische Fragen

          Was dem Altkanzler an Steinbrück besonders gefällt, ist sein ökonomischer Instinkt und die Präzision seines Urteils. Schmidt sieht ihn als einen Politiker, der die Finanzkrise schnell begriffen und im Herbst 2008 das Richtige gemacht habe. Das beeindruckt ihn. Ohne Steinbrück, so meint Schmidt, hätte Angela Merkel die Krise nicht gemeistert. Steinbrück sucht in seiner Zeit als Finanzminister das Gespräch mit Schmidt, weil er um Antworten auf die Krise auf den Finanzmärkten ringt. Auch später fragt er den Altkanzler um Rat, etwa im Herbst 2010, als die Eurokrise sich zuspitzt. Schmidt rät jeweils zu einer grundsätzlichen Antwort. Es müsse eine systemische Lösung auf nationaler Ebene geben, die Krise müsse zudem international Topthema sein.

          Privat wissen Steinbrück und Schmidt nicht viel voneinander. Ihre Treffen bestehen im Wesentlichen aus Gesprächen über aktuelle politische und ökonomische Fragen. Der Gesprächsband „Zug um Zug“, den sie im Herbst 2011 gemeinsam veröffentlichen, dokumentiert die Art von Gesprächen, die beide führen, auf ziemlich authentische Weise. Das Schachspiel spielt bei ihren Treffen, anders als oft behauptet, selten eine Rolle.

          Vorname und „Sie“

          Die Idee zu einem gemeinsamen Buch von Schmidt und Steinbrück kommt etwa ein Jahr vor seinem Erscheinen auf. Die Bücher des bei den Deutschen überaus beliebten „Weltökonomen“ Schmidt sind seit Jahren Bestseller. Nun soll ein neuer Band des „Weisen aus Hamburg“ mit dem populären ehemaligen Finanzminister und Bestsellerautor Steinbrück entstehen - eine aus Sicht des Verlags todsichere Geschäftsidee. Beide sprechen sich in dem Buch, wie auch sonst, mit Vornamen und „Sie“ an, eine Umgangsform, die als das hanseatische Du bekannt ist. Der Vorname steht für Vertrautheit, das „Sie“ demonstriert Respekt und verhindert zugleich zu viel Nähe.

          Weitere Themen

          Vize will Kanzler werden

          SPD-Kandidat Scholz : Vize will Kanzler werden

          Gemessen an den Umfragen, ist es nicht so wichtig, wen die SPD als Kanzlerkandidaten ins Rennen schickt. Aber offenbar wollte die Parteiführung Klarheit. Die CDU zuckt mit den Schultern, die Grünen sticheln.

          Topmeldungen

           Unsere Autorin: Anna-Lena Ripperger

          F.A.Z.-Newsletter : Neue Chance für „Exit-Laschet“

          Kann Armin Laschet im Fernduell mit Söder punkten? Oder werden die Schulöffnungen in NRW für ihn zum Bumerang? Mit wem Joe Biden das Weiße Haus erobern möchte und was sonst wichtig wird – der Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.