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Schlag gegen deutsche Islamistenszene : Die falsche Reue des Dschihadisten Fatih K.

Unterstützung auch aus Deutschland: Die islamistische Terrorgruppe Isis in Syrien Bild: AP

Der Islamist Fatih K. gab sich reumütig - und wurde von einem deutschen Gericht 2011 zu einer nur geringen Haftstrafe verurteilt. Anschließend soll er auf Seiten islamistischer Terroristen in den syrischen Bürgerkrieg gezogen sein.

          Fatih K. hatte offenbar nicht viel Zeit verstreichen lassen, bis er sich wieder auf den Weg in den Dschihad begab. Im April 2011 wurde der 1978 geborene Islamist wegen der Unterstützung islamistischer Terrorgruppen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Am Montag wurde er wieder festgenommen. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft ist K. „dringend verdächtig“, von Juli bis September 2013 Mitglied in zwei in Syrien agierenden terroristischen Vereinigungen gewesen zu sein. Dazu gehört „Junud al Sham“, auf Deutsch: „Soldaten (Groß-)Syriens“, und die Gruppe „Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien“ (Isis).

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          K. soll an Kämpfen paramilitärischer Einheiten beteiligt gewesen sein und an der Herstellung von Propagandamaterial mitgewirkt haben. Dem „Islamischen Staat“ haben sich viele junge Dschihadisten aus Deutschland angeschlossen. Die Gruppe gilt als die fanatischste und brutalste der in Syrien operierenden Organisationen. Unlängst hatte der Dinslakener Isis-Kämpfer Mustafa K. im Internet ein Bild verbreitet, auf dem er mit den Köpfen enthaupteter Gegner posierte.

          Seinerzeit hatte es in den Sicherheitsbehörden Verwunderung über das milde Urteil gegen K. gegeben. Schließlich galt der Berliner als Schleuser, der junge Kämpfer auf ihrem Weg nach Pakistan über die Türkei bis nach Iran vermittelte. Heute sehen sich die Zweifler bestätigt. Auf ein weiteres mildes Urteil darf K. kaum hoffen.

          Das Grenzland ist das Ziel

          In seinem Prozess hatte K. sich reumütig gegeben und von einem „Irrweg“ gesprochen. In seinem Schlusswort hatte er gesagt: „Ich möchte mich für meine Taten aufrichtig entschuldigen. Ich möchte mich ändern, ich habe auch schon begonnen mich zu ändern.“ Er habe sein Leben „mehr oder weniger auf der Straße verbracht“, sagte der sechsfache Vater damals: Hauptschulabschluss, abgebrochene Maurerlehre, Rauschgift, mehrmals arbeitslos, Gelegenheitsjobs – ein solches Leben habe er hinter sich gelassen, seit er den Islam entdeckt habe. K. hatte die Gruppe „Deutsche Taliban Mudschahidin“ und die „Islamische Dschihad Union“, zu der die „Sauerland Gruppe“ gehörte, mit Geldspenden unterstützt. Der bekannteste Extremist der „Deutschen Taliban Mudschahidin“ war der saarländische Konvertit Eric Breininger, der im April 2010 in Nordwasiristan getötet wurde.

          Die Gruppe hatte mit Anschlägen in Deutschland gedroht. Damals zogen die radikalen Islamisten noch in die pakistanischen Stammesgebiete – jetzt zieht es sie nach Syrien. K. gehörte im Mai 2009 zu einer Gruppe junger Männer, die sich aus Berlin auf den Weg in die Stammesgebiete Wasiristans machte. K. kehrte aus Iran nach Deutschland zurück. Im Herbst entzogen ihm die Behörden den Reisepass, von Frühjahr 2010 an musste sich K. täglich bei der Polizei melden – ein Haftbefehl war gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden. Doch im August 2010 setzte sich der Islamist in die Türkei ab, offenbar wollte er wieder eine Gruppe junger Islamisten – zumindest auf einem Teil ihres Weges – nach Pakistan begleiten. Er wurde im Grenzgebiet zu Syrien gefasst und im Dezember 2010 nach Deutschland ausgeliefert.

          Damals hatten die Dschihad-Reisenden, wenn sie die türkisch-syrische Grenze passierten, noch einen weiten Weg vor sich. Heute ist das Grenzland ihr Ziel. Die Gruppe „Junud al Sham“, der sich K. angeschlossen haben soll, kontrolliert nach Angaben aus Sicherheitskreisen eine Region auf syrischer Seite direkt hinter der Grenze zur Türkei. Dort hat demnach ein Mann mit dem Kampfnamen Abu Waleed das Sagen, den die deutschen Behörden schon länger im Visier haben: ein kaukasischer Dschihad-Veteran, der schon in Tschetschenien und Dagestan Islamistenbrigaden kommandierte. Nun ist er in Syrien. In einem Propagandavideo, das ihn mit einem modernen Sturmgewehr zeigt, wird er als Ausbilder junger Kämpfer aus der ganzen Welt vorgestellt.

          Den Behörden schon länger bekannt

          Ein weiterer Islamist, der am Montag festgenommen wurde, ist der 26 Jahre alte Türke Fatih I. aus Frankfurt. Er  soll sich im September 2013 dem Islamischen Staat angeschlossen haben. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland soll er Material und Geld für die Gruppe beschafft haben. Auch Fatih I. war den Sicherheitsbehörden schon länger bekannt. Erstmals fiel er auf, als er sich vor etwa zwei Jahren im Rahmen der salafistischen „Lies“-Kampagne an der Verteilung von Koranen beteiligte. Als Rädelsführer innerhalb der hessischen Islamistenszene galt der 26 Jahre alte I. zunächst nicht. In Syrien habe er sich dann aber stark radikalisiert, hieß es. Die Verbindung zum Islamsischen Staat wurde nach Angaben aus den Behörden vor allem durch Kontakte zu Fatih K. sichtbar. Am 24. September 2013 reiste Fatih I. demnach gemeinsam mit dem Berliner Dschihadisten von Istanbul über Berlin-Schönefeld nach Deutschland ein und stand seitdem unter ständiger Beobachtung. Ende 2013 reiste er offenbar abermals nach Syrien aus und kam im Januar 2014 wieder. Er soll geplant haben, wieder dorthin zu reisen.

          Festgenommen wurde außerdem die 27 Jahre alte Deutsch-Polin Karolina R., die den Islamischen Staat durch insgesamt knapp 4800 Euro unterstützt haben soll. Fünf weitere Beschuldigte, denen die Durchsuchungen auch galten, sollen [LW-1]sollen ebenfalls Mitglieder oder Unterstützer der Terrorgruppe sein.

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