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Die Morde von Halle : Schalom Chaverim

Auf dem Marktplatz in Halle Bild: Daniel Pilar

Nach den Terroranschlägen von Halle kreuzen sich viele Wege auf dem Marktplatz. Manche führen in die Bürgerrechtsbewegung der DDR, andere zu den Juden der Sowjetunion, und wieder andere zu den muslimischen Flüchtlingen aus Syrien.

          7 Min.

          Jetzt kommen sie wieder vor die Marktkirche. Es ist der Tag eins nach der Tat von Halle, und schon am Abend vorher waren sie da. Da war es Mittwoch, und die Toten waren gerade erst ein paar Stunden tot. Jetzt ist es Donnerstag, der Abend kommt, und eine Insel aus Kerzenlicht wächst auf dem Pflaster zwischen den gotischen Türmen am Marktplatz. Sie gehen in die Hocke, stellen ihr Teelicht in einen Pappbecher, zünden es an, ziehen sich zurück in die Abenddämmerung, damit andere nachrücken können. Es sind nicht viele, aber dann doch auch nicht wenige. Ein paar hundert. Viele Wege kreuzen sich auf dem Marktplatz in Halle.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Sie kriege eine Gänsehaut, wenn sie das sehe, sagt Brunhild Köhler. Eine gestandene Frau, erwachsene Kinder, Medizinphysikerin. Wie sollte sie auch keine Gänsehaut bekommen, bei dem was war in ihrer Stadt? Ein Mann fährt durch Halle und schießt auf Menschen. Der Mann filmt sich beim Morden. Er will Juden töten, sagt er, und Muslime. „Warum nicht beides?“ Dann greift er die Synagoge an, wo die jüdische Gemeinde betet. Dann, weil die Hoftür nicht aufgeht, den „Kiez-Döner“ zwei Ecken weiter. Er feuert um sich, am Ende sind zwei Menschen tot. Nicht Juden und Muslime, wie er es wollte, sondern Zufallspassanten, die weder jüdisch noch muslimisch sind.

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