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Schäuble zum Afghanistan-Abzug : „Es erinnert an die Bilder von Saigon“

  • Aktualisiert am

Wolfgang Schäuble im Juni in Berlin (Archivbild) Bild: dpa

Der Bundestagspräsident gesteht Fehler in der westlichen Afghanistan-Politik ein. Das Debakel am Hindukusch zeige aber auch die Abhängigkeit Deutschlands von Amerika. Für die Zukunft hofft Schäuble auf eine Kooperation mit den Taliban.

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          In einem Interview mit dem Nachrichtensender ntv hat sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ergriffen über die Lage in Afghanistan gezeigt. „Es ist alles furchtbar bitter“, sagte der 78 Jahre alte Politiker. Alle westlichen Nationen hätten sich gleichermaßen über die Konsequenzen ihres Abzuges aus dem Land verschätzt. „Die Evakuierung sieht natürlich verdammt nach Flucht aus. Es erinnert an die Bilder von Saigon.“ Das müsse der nächste Bundestag aufarbeiten.

          Gleichzeitig zeige das Debakel am Hindukusch aber auch, wie abhängig Deutschland vom Bündnispartner USA sei. „Ohne die Amerikaner sind wir gar nicht handlungsfähig“, sagte Schäuble. „Auch jetzt müssen die Amerikaner den Zugang zum Flugplatz sichern.“ Die Bundeswehr leiste dennoch sehr gute Arbeit als eine „Bündnisarmee“. Ihr sei kein Vorwurf zu machen.

          Immerhin habe der Westen mit seinem langjährigen Einsatz weitere Planungen von Terroranschlägen durch Gruppen wie den Taliban vereitelt. Doch der Versuch, diesem Land ein westliches Wertemodell überzustülpen, sei vermessen gewesen. So hätten Kritiker schon zu Beginn der Mission Zweifel geäußert, dass der Westen Afghanistan demokratisieren könne. Kulturelle Unterschiede seien kleingeredet worden. „Aber die Frauen und viele andere in Afghanistan wollten gerne mit Menschenrechten leben. Es ist furchtbar schwierig“, sagte Schäuble.

          Trotz allem hält es der Bundestagspräsident für möglich, erfolgreich mit den Taliban zu verhandeln. Diese Einschätzung sei ihm auch von Frauenrechtsorganisationen bestätigt worden. „Es hat ja bisher auch nicht wirklich von den Taliban organisierte Massaker gegeben“, hält Schäuble fest. Er hoffe, dass man durch Kooperation eine bessere Situation für die afghanische Bevölkerung erreichen könne. „Vielleicht ist nicht alles ganz umsonst.“

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