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Saudi-Arabien : Soldaten beenden Flugzeugentführung

  • Aktualisiert am

TV-Aufnahme von einem nicht identifizierten Entführer Bild: dpa

In Medina haben saudi-arabische Sicherheitskräfte das entführte russische Flugzeug gestürmt. Mindestens drei Menschen wurden getötet.

          2 Min.

          Eine saudische Anti-Terror-Einheit hat am Freitag das nach Medina entführte russische Verkehrsflugzeug gestürmt. Bei der Aktion kamen drei Menschen ums Leben, sieben weitere wurden nach Angaben eines Mediziners verletzt.

          Unter den Toten befindet sich nach Angaben von Sergej Jastrschembski, dem für Tschetschenien zuständigen Sprechers des Moskauer Kreml, auch einer der Luftpiraten. Zudem wurden bei der Erstürmung, die nur wenige Minuten dauerte, ein türkischer Passagier und eine Flugbegleiterin getötet. Zu den Luftpiraten gehört nach Angaben einer Vertreterin der von Moskau nicht anerkannten tschetschenischen Regierung deren früherer Sicherheitsminister Aslambek Arzajew und sein Bruder Sufian. Bisher wurde allerdings nur von einer Festnahme berichtet.

          Verhandlungen erfolglos

          Zuvor war die am Donnerstag von Istanbul nach Medina entführte Tupolew 154 der Fluggesellschaft „Wnukowia“ aufgetankt worden. Bei den Verhandlungen mit den Kidnappern hatten die saudischen Behörden es allerdings abgelehnt, die Maschine mit unbestimmten Ziel weiterfliegen zu lassen. Schließlich fiel die Entscheidung zu stürmen, nachdem die Unterhändler keine Chance mehr sahen, die Entführung auf dem Verhandlungswege zu beenden. Die russische Regierung hatte der Aktion zuvor zugestimmt.

          Bild: dpa-Grafik

          Am Freitagmorgen waren erneut zwei Frauen freigelassen worden. Mehr als 40 von 174 Menschen an Bord waren damit bereits vor der Erstürmung frei. Einige Geiseln sollen auch durch den hinteren Ausgang des Flugzeugs geflohen sein. Auch die Piloten, die sich im Cockpit verschanzt hatten, seien noch vor der Aktion der Sicherheitskräfte aus dem Flugzeug entkommen. An Bord der Maschine befanden sich russische und türkische Passagiere. Die Maschine war auf dem Flug von Istanbul nach Moskau entführt worden und in Medina gelandet. Mit der Entführung wollten die Luftpiraten die Weltöffentlichkeit auf die Lage in Tschetschenien aufmerksam machen. Sie wollten ein internationales Eingreifen erreichen und forderten ein Ende des russischen Feldzugs in Tschetschenien.

          Langer Konflikt mit Tschetschenen

          Russland unterdrückt die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kaukasusrepublik seit Jahren mit militärischen Mitteln. Von 1994 bis 1995 kam es zum ersten Tschetschenienkrieg, der mit einem Rückzug der russischen Truppen endete. 1999 drangen die Streitkräfte erneut in Tschetschenien ein. Auch hinter mehreren schweren Anschlägen in der Moskauer Innenstadt werden tschetschenische Attentäter vermutet. Adam Arzajew, ein Bruder des Ex-Ministers und jetzigen Kidnappers, appellierte an die saudischen Behörden, seinen Bruder nicht an Russland auszuliefern. Die frühere Regierung von Präsident Aslan Maschadow, der Aslambek Arzajew angehört hatte, distanzierte sich auf ihrer Internet-Seite von der Entführung.

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