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Corona in San Marino : Impfgrüße aus Moskau

Begehrter Stoff: Sputnik-Impfdosen kommen in San Marino an. Bild: AP

San Marino hat eine der höchsten Covid-Sterbequoten weltweit. Die Regierung wollte deshalb unbedingt Impfstoff bekommen. Da die zugesagte Hilfe aus Italien ausblieb, wandte sie sich an Russland. Moskau lieferte prompt.

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          Der Pionier von San Marino heißt Matteo Bedetti und ist 26 Jahre alt. Der Rettungssanitäter wurde am Donnerstagnachmittag als erster Bürger der Zwergrepublik nahe Rimini an der Adria-Küste gegen Sars-CoV-2 geimpft. Und zwar mit dem russischen Impfstoff Sputnik V. Bedetti ist, wie italienische Medien mit einem gewissen Schaudern angesichts des historischen Ereignisses feststellten, der erste Mensch „sul suolo della penisola“, auf dem Boden der Apenninhalbinsel, dem das russische Vakzin injiziert wurde. Auf Bedetti folgten noch am Donnerstag gut zwei Dutzend Ärzte und Pfleger, Techniker und Verwaltungsangestellte, die allesamt auf der Covid-19-Abteilung der staatlichen Klinik von San Marino tätig sind. Dort werden nach Berichten aus San Marino derzeit 26 Personen behandelt, unter ihnen zehn auf der Intensivstation.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Für einen Staat mit rund 33.800 Einwohnern ist das viel. Am Freitag begann die Impfregistrierung von San Marinesen im Alter von mehr als 75 Jahren. Die erste Lieferung von 7500 Dosen Sputnik V soll so schnell wie möglich verimpft werden. Weitere Lieferungen aus Moskau sind zugesagt. Denn der Zwergstaat auf dem Monte Titano, der seine Gründung als mutmaßlich älteste bis heute bestehende Republik mit beträchtlichem Stolz bis ins Jahr 301 zurückverfolgen kann, wurde von der Pandemie schwer getroffen. 73 meist ältere Menschen starben im Zusammenhang mit Covid-19, bei insgesamt 3621 bestätigten Infektionen. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Einwohner verzeichnet San Marino mit 216 Opfern auf 100.000 Einwohner die relativ höchste Sterbequote weltweit.

          Anfragen aus Italien

          Schon am 10. Januar hatten die Gesundheitsbehörden von San Marino mit dem Gesundheitsministerium in Rom ein Protokoll unterzeichnet, wonach die Zwergrepublik auf dem Titanen-Berg, die von den italienischen Regionen Emilia Romagna und Marken umgeben ist, von Italien mit Impfstoffen mitversorgt werden soll. San Marino ist nicht Mitglied der EU, aber in vielerlei Hinsicht aufs engste mit Italien verbunden: Die Landessprache ist Italienisch, die Währung ist der Euro, eine Grenze zwischen Italien und San Marino gibt es nur auf der Landkarte. Aber die versprochenen Vakzine aus dem Bestand der EU-Lieferungen für Italien kamen in San Marino nicht an: Die Regierung in Rom hatte mit dem stotternden Start der eigenen nationalen Impfkampagne so viel zu tun, dass der vereinbarte Freundschaftsdienst mit Impfstoffen für San Marino vergessen oder verschoben wurde.

          In San Marino nahm man deshalb mit dem „Russian Direct Investment Fund“ Kontakt auf. Und „dank der starken bilateralen Beziehungen zwischen San Marino und der Russischen Föderation“, wie es in einer offiziellen Mitteilung des Außenministeriums von San Marino heißt, kam es sogleich zu einer Vereinbarung und kurz darauf zur Bestellung. Anfang dieser Woche traf die erste Charge von Impfstoffen aus Moskau ein. San Marino bezahlt nach offiziellen Angaben den üblichen Preis von 8,50 Euro pro Dose Sputnik V.

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          Zwar hat das italienische Gesundheitsministerium bestätigt, dass das nationale Institut für Infektionskrankheiten in einer eigenen Studie die Wirksamkeit von Sputnik V bestätigt hat. Und in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ wurde dem russischen Impfstoff Anfang Februar eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent attestiert. Aber in Italien darf Sputnik V nicht verabreicht werden, weil der Impfstoff bisher weder von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA noch auch von der italienischen Pharmazeutika-Behörde Aifa zugelassen ist. Die Gesundheitsbehörden der Regionen Emilia Romagna und Marken sahen sich veranlasst, italienische Staatsbürger von Impfreisen nach oder versuchtem Vakzineinkauf in San Marino abzubringen. „Der Impfstoff ist nicht zugelassen und kann deshalb zu diesem Zeitpunkt nicht an Italiener verabreicht werden“, bekräftigte Raffaele Donini, Gesundheitsminister der Emilia Romagna, diese Woche in Bologna.

          Tatsächlich hat es offenbar schon zahlreiche Anfragen von impfwilligen Italienern in San Marino gegeben. Gesundheitsminister Roberto Ciavatta teilte mit, Sputnik V werde nicht über die unsichtbare Grenze nach Italien gelangen und auch nicht in San Marino an Italiener verimpft: „Wir haben keinerlei Absicht, den Impfstoff zu verkaufen oder an Ausländer zu verabreichen. Wir müssen uns zuerst um unsere eigenen Leute kümmern. Es wird keine Nebenkanäle geben. Sollte die Regierung in Rom auf offiziellem Wege an uns herantreten, sind wir selbstverständlich zu Gesprächen bereit.“ In San Marino sei man nicht erbost, dass die von Rom zugesagten Impfstoffe aus dem EU-Fundus bisher nicht geliefert worden seien, versicherte Gesundheitsminister Ciavatta: „Wir halten an dem mit Italien unterzeichneten Protokoll fest und hoffen, dass es schon bald Früchte tragen wird.“ Er selbst könne es kaum erwarten, sich impfen lassen zu dürfen, sagte Ciavatta: mit Sputnik V.

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