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Sahara-Geiseln : Libyen zahlte angeblich Lösegeld

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Zahlt: Libyens Staatschef Gaddafi Bild:

Nach Angaben von Diplomaten soll Libyen die fünf Millionen Euro Lösegeld für die Sahara-Geiseln gezahlt haben. Staatschef Gaddafi wolle damit „seine Rechnungen“ begleichen.

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          Für die Befreiung der Sahara-Geiseln hat Libyen nach Angaben von Diplomaten ein Gesamtlösegeld von fünf Millionen Euro gezahlt. Libyen habe den Betrag „aus eigener Initiative“ für die Freilassung der 14 Entführten bereit gestellt, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag von zwei Diplomaten in der malischen Hauptstadt Bamako.

          Das Geld sei „weder durch malische noch durch deutsche Hände“ gegangen. Die beiden Diplomaten machten ihre Angaben unabhängig voneinander. Der Geldbetrag sei dem Anführer der Geiselnehmer durch einen von Tripolis bestimmten Vermittler überbracht worden, hieß es weiter. Der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi habe in seinen Bemühungen um „internationale Anerkennung“ der Zahlung zugestimmt, um „seine Rechnungen zu begleichen“.

          Libyen war vom malischen Präsidenten Amadou Toumani Touré als eine der Nationen genannt worden, die bei der Lösung des Geiseldramas behilflich waren. Nach sechsmonatiger Geiselhaft waren die 14 entführten Sahara-Touristen am Mittwoch endlich wohlbehalten nach Hause zurückgekehrt.

          Gaddafi-Stiftung will Verhandlungen geführt haben

          Die libysche Gaddafi-Stiftung hat schon vor dem endgültigen Ende des Geiseldrams in der Sahara eine wichtige Rolle für sich in Anspruch genommen. Neben dem Bundesnachrichtendienst (BND) seien auch Mitarbeiter der Stiftung an den Verhandlungen mit den Geiselnehmern beteiligt gewesen, hatte das Berliner Büro der Stiftung am Montag mitgeteilt.

          Einem Mitarbeiter sei es dabei gelungen, die geforderte Höhe der Lösegeldsumme „entscheidend zu reduzieren und Unstimmigkeiten über die Übergabe zu beseitigen“. Frühzeitig noch vor den den deutschen oder malischen Behörden, informierten die Libyer die Öffentlichkeit, die Geiseln seinen seit Sonntag nicht mehr in der Hand der Entführer.

          Von deutschen und mailischen Behörden gab es nislang keine offizielle Bestätigung einer Beteiligung Libyens bei der Befreiung der Geiseln.

          Die Internationale Gaddafi-Stiftung wird vom Sohn des libyschen Revolutionsführers Muammar el Gaddafi, Seif el Islam, geleitet. Sie hatte bereits im Sommer 2000 mit Millionensummen zur Freilassung europäischer Geiseln auf den Philippinen beigetragen. Unter anderem war damals die entführte deutsche Familie Wallert freigekommen. Die Stiftung bezeichnet sich selbst als „nicht-staatliche Organisation zur Unterstützung von Moslems in der ganzen Welt“.

          Libyen bemüht sich um Ende der UN-Sanktionen

          Libyen bemüht sich zurzeit intensiv, um ein Ende der UN-Sanktionen. Und ist dafür auch bereit Reputationszahlungen für Terror-Akte in der Vergangenheit zu zahlen. Nachdem Libyen kürzlich formell die Verantwortung für den Lockerbie-Anschlag vom Dezember 1988 übernommen hatte, legte Großbritannien dem Weltsicherheitsrat in New York am vergangenen Montag einen Resolutionsentwurf zur Aufhebung der 1992 verhängten UN-Sanktionen gegen Libyen vor. Frankreich drohte damit, im Sicherheitsrat sein Veto einzulegen.

          Paris verlangt von der Regierung in Tripolis höhere Abfindungszahlungen für die Hinterbliebenen eines Absturzes einer französischen Maschine über Niger erhalten, bei dem 1989 insgesamt 170 Menschen ums Leben gekommen waren. Libyen war bereits dazu verurteilt worden, an die Hinterbliebenen insgesamt 35 Millionen Dollar zu zahlen. Dies ist jedoch nur ein Bruchteil dessen, was Gaddafi zuletzt als Entschädigung für das Attentat auf eine Maschine der Fluglinie Pan Am über dem schottischen Lockerbie akzeptierte: Die Hinterbliebenen der 270 Opfer von Dezember 1988 bekommen demnach insgesamt 2,7 Milliarden Dollar.

          Frankreich und Großbritannien hätten sich darauf geeinigt, die Abstimmung über eine von Großbritannien vorgelegte Resolution im UN-Sicherheitsrat zu verschieben, teilte ein Pariser Außenamtssprecher am Donnerstag mit. Der französische Außenminister Dominique de Villepin hatte über die Abfindungsforderung in den vergangenen Tagen auch mit seinem amerikanischen Kollegen Colin Powell und der spanischen Außenministerin Ana Palacio gesprochen.

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