https://www.faz.net/-gpf-8msem

Europäisches Parlament : Irakische Jesidinnen erhalten Sacharow-Preis

  • Aktualisiert am

Nadia Murad Basee - eine der beiden diesjährigen Sacharow-Preisträgerinnen Bild: Reuters

Der Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments geht an die jesidischen Aktivistinnen Nadia Murad Basee und Lamiya Aji Bashar. Parlamentspräsident Martin Schulz würdigte ihren Mut und ihre Würde als „unbeschreiblich“.

          EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat die beiden Sacharow-Preisträgerinnen Nadija Murad Bassi und Lamija Adschi Baschar als Kämpferinnen gegen die Straflosigkeit der Verbrechen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gewürdigt. „Der Mut, für den diese beide Frauen stehen, und die Würde, die sie repräsentieren, sind unbeschreiblich“, sagte Schulz am Donnerstag im Europaparlament in Straßburg. Murad und Adschi Baschar seien die „Stimme der zahllosen Opfer des Menschenhandels“, die ein Ende der Gräueltaten fordere. Die beiden Vertreterinnen der Jesiden im Irak setzten sich zudem für die Achtung der Menschenwürde, der Glaubensfreiheit und der individuellen Freiheit und Gerechtigkeit ein.

          Der Vorsitzende der Liberalen im EU-Parlament, Guy Verhofstadt, betonte, die beiden Frauen hätten „unglaubliche Tapferkeit und Menschlichkeit angesichts der verabscheuungswürdigen Brutalität“ gezeigt.

          Der EU-Abgeordnete Arne Lietz (SPD), der Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte ist, beschrieb die Preisvergabe an die Jesidinnen als „starken internationaler Paukenschlag“ und Zeichen der Solidarität des Europäischen Parlaments mit verfolgten Minderheiten in der Welt.

          Nadija Murad Bassi und Lamija Adschi Baschar wurden vom IS verschleppt und als Sexsklavinnen ausgebeutet. Murad verlor sechs ihrer Brüder und ihre Mutter. Adschi Baschar wurde zusammen mit ihren sechs Schwestern als Sexsklavin missbraucht und gezwungen, in Mossul Bomben und Sprengstoffwesten für Selbstmordanschläge herzustellen, nachdem die IS-Kämpfer ihre Brüder und ihren Vater hingerichtet hatten.

          Die Auszeichnung der beiden Preisträgerinnen erfolgt am 14. Dezember in Straßburg. Finalisten waren zudem der türkische Journalist Can Dündar sowie der Vertreter der Krimtataren, Mustafa Dschemilew.

          Der Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit wird seit 1988 jährlich vom Europäischen Parlament vergeben. Es zeichnet damit Persönlichkeiten und Institutionen aus, die sich besonders für Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten, die Achtung des Völkerrechts und die geistige Freiheit einsetzen. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

          Benannt ist die Auszeichnung nach dem sowjetischen Physiker und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow (1921-1989). Die Europaabgeordneten wollen mit dem Preis die Menschenrechte und Demokratie in aller Welt fördern. Im vergangenen Jahr erhielt Raif Badawi, Blogger aus Saudi-Arabien, den Preis.

          Weitere Themen

          SPD legt nach Scholz-Kandidatur zu

          „Sonntagstrend“ : SPD legt nach Scholz-Kandidatur zu

          Die Sozialdemokraten gewinnen nach der Kandidatur von Olaf Scholz für den Parteivorsitz laut einer Umfrage an Zustimmung. Der Vizekanzler verteidigt das aufwändige Bewerbungsverfahren.

          G-7-Gipfel in Biarritz hat begonnen Video-Seite öffnen

          Handel, Klima, Gerechtigkeit : G-7-Gipfel in Biarritz hat begonnen

          Um die ganz großen, die weltbewegenden Themen unserer Zeit soll es im französischen Biarritz gehen: Handel, Klima, Gerechtigkeit und einige mehr. Das dreitägige Treffen steht aber auch unter dem Eindruck der Zerwürfnisse zwischen den Teilnehmern.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Axel Voss auf der Gamescom : Zu Gast bei Feinden

          Der EU-Abgeordnete Axel Voss ist die Hassfigur der Youtuber und Gamer. Mit der Reform des Urheberrechts hat er die Szene gegen sich aufgebracht. Sein Besuch auf der Spielemesse Gamescom lief dann aber anders als erwartet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.