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Sabotage? : Gaspipeline in der Ukraine explodiert

  • Aktualisiert am

Die Explosion einer Leitung, mit der russisches Gas in den Westen gepumpt wird, sorgt für Aufregung. Angeblich vermutet die Regierung in Kiew Sabotage als Grund für den Vorfall in der Zentralukraine. Der Transit in die EU läuft indes weiter.

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          An einer Gaspipeline, die russisches Gas durch die Ukraine in die EU transportiert, hat es am Dienstag eine Explosion gegeben. Nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes hat sich Gas entzündet, das durch eine undichte Stelle ausgeströmt sei. Die Agentur Interfax Ukraina berichtete unter Berufung auf Quellen in den ukrainischen Sicherheitskräften, dass Sabotage als Grund für den Vorfall im Gebiet Poltawa in der Zentralukraine vermutet werde. Das für den Gastransit durch die Ukraine zuständige Unternehmen Ukrtransgas teilte laut ukrainischen Medien mit, der Gasfluss in die EU werde durch die Explosion nicht beeinträchtigt.

          Nach Angaben einer Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatte auch die Einstellung der russischen Gaslieferungen an die Ukraine am Montag noch keine Auswirkungen auf die Gaslieferungen in die EU. Die EU erwarte, dass Russland seine Lieferverpflichtungen einhalte und dass die Ukraine das Gas pflichtgemäß nach Westen durchleite. Der russische Konzern Gasprom hatte vor Störungen gewarnt. Sowohl die Ukraine als auch Russland wollen sich in dem Streit über den Gaspreis und ausstehende ukrainische Zahlungen an das internationale Schiedsgericht in Stockholm wenden. Die ukrainische Regierung bemüht sich derzeit darum, Gaslieferungen über Westeuropa zu erhalten. Die technische Möglichkeit dazu durch die Schubumkehr in einer Pipeline aus Polen wurde schon geschaffen, im Herbst soll es auch möglich sein, dass die Ukraine über die Slowakei Gas erhält. Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk teilte mit, mit einer kleinen Menge solcher Lieferungen sei schon begonnen worden. Insgesamt könne die Ukraine etwa die Hälfte ihres Gasbedarfs auf diesem Weg decken. Nach Angaben des ukrainisch Konzerns Naftogas Ukrainy sind westeuropäische Versorger zu Lieferungen bereit.

          Nach Angaben des ukrainischen Nationalen Sicherheitsrates zieht Russland entlang der russisch-ukrainischen Grenze wieder Truppen zusammen. Laut einem Bericht der russischen Zeitung „Wedomosti“ bezeichnen informierte Kreise in Russland die von ukrainischer Seite genannte Zahl von 16.000 Soldaten als deutlich zu hoch, doch würden tatsächlich mehrere Einheiten in das Grenzgebiet verlegt. Sie sollten die Grenze sichern, die von den ukrainischen Streitkräften in den vergangenen Tagen immer wieder verletzt worden sei. Das russische Außenministerium hatte schon am Samstag eine Erklärung veröffentlicht, in der von „provokativen Handlungen der ukrainischen Seite“ die Rede war. Die schweren Kämpfe in der Ostukraine konzentrieren sich seit Tagen auf das Gebiet entlang der Grenze, das die ukrainischen Truppen wieder unter ihre Kontrolle bringen wollen um zu verhindern, dass aus Russland Waffen und Munition zu den Separatisten gelangen.

          Auch die Ukraine hat Russland vergangene Woche Grenzverletzungen vorgeworfen. Der Grenzverlauf ist vielerorts nicht markiert. Die Ukraine will nun auf der Grundlage früherer Vereinbarungen mit Russland einseitig eine Demarkation der Grenze vornehmen. Der Vorsitzende des außenpolitischen Komitees des russischen Parlaments Aleksej Puschkow antwortete darauf, das sei nicht legal.

          Unterdessen warnt die OSZE-Mission in der Ostukraine davor, dass die Wasserversorgung für die Millionenstadt Donezk und große Teile des Gebietes Donezk in Gefahr sei, nachdem bei Kämpfen in der Nähe von Slawjansk ein Pumpwerk und Wasserleitungen beschädigt worden seien. Nach Angaben des Nationalen Sicherheitsrates der Ukraine reicht das Wasser für Donezk noch etwa zwei Wochen. Der Bürgermeister von Donezk gab gegenüber den OSZE-Beobachtern an, Reparaturarbeiten, die mindestens drei Tage in Anspruch nähmen, hätten am Dienstag nach nur drei Stunden wieder unterbrochen werden müssen, da in dem Gebiet wieder Kämpfe aufgeflammt seien. Die ukrainischen Streitkräfte gaben an, sie hätten von sich aus im betreffenden Gebiet alle Aktionen eingestellt, um die Reparatur der Wasserleitung zu ermöglichen. Allerdings schössen die Separatisten von zwei Stellungen in unmittelbarer Nähe der Pumpstation bei dem Ort Semjonowka die ukrainischen Streitkräfte.

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