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Sabine Bätzing : Leidenschaftliche Nichtraucherin

Die jüngste Abgeordnete der SPD-Fraktion, Sabine Bätzing Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Sie ist die neue Drogenbeauftragte der Bundesregieung. In den nächsten Jahren will Sabine Bätzing auf Prävention und Aufklärung setzen und die Drogen- und Suchtpolitik ihrer Vorgängerin fortsetzen.

          Ihre Homepage im Internet ist wieder sachlicher geworden. Zwar empfiehlt sich dort noch immer eine fröhlich lächelnde junge Frau als „Ihre Abgeordnete für den Wahlkreis Neuwied/Altenkirchen“. Doch die dort im Bundestagswahlkampf erfolgreich eingesetzte und für Politiker ungewöhnlich persönlich gehaltene Imagekampagne „Mensch Sabine!“, in der die SPD-Abgeordnete Sabine Bätzing mit einer privaten Fotogalerie, die sie beim Wellenbad am Nordseestrand oder Krimis schmökernd auf dem Sofa zeigten, ist aus dem Netz genommen.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Verschwunden auch ihre Tagebucheinträge über die Eindrücke als staunende, junge SPD-Abgeordnete aus der Provinz im Politikbetrieb der Hauptstadt, die aber den Kontakt zu ihren Wählern daheim nie verloren hat. Ihre Warnung vor den Gefahren des Rauchens enthält die leidenschaftliche Nikotin-Verächterin ihren Wählern allerdings wohl nur vorübergehend vor.

          Kampf gegen den Tabakkonsum

          Denn seit Mittwoch gehört der Kampf gegen den Tabakkonsum zu den drängendsten Aufgaben der 30 Jahre alten Abgeordneten aus dem Westerwald. An diesem Tag hat die vom Sozialamt Altenkirchen beurlaubte Verwaltungsangestellte von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) ihre Ernennungsurkunde als neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung erhalten. Mit ihrem neuen Tätigkeitsfeld ist die 2005 zum zweiten Mal direkt in den Bundestag gewählte Politikerin indes schon in ihrer ersten Legislaturperiode intensiv in Berührung gekommen. Als Mitglied im Ausschuß für Jugend und Familie engagierte sich die dem „Netzwerk“ junger reformorientierter SPD-Politiker angehörende Abgeordnete im Kampf gegen die bei Jugendlichen beliebten „Alcopops“. Durch ihre Ausschußarbeit wurde auch Gesundheitsministerin Schmidt auf sie aufmerksam, die sie in den Koalitionsverhandlungen als Nachfolgerin der bisherigen Drogenbeauftragten Marion Caspers-Merk vorschlug. Sabine Bätzing mußte nicht lange nachdenken, als sie das Angebot erhielt: „Ich habe sofort zugesagt.“

          In den nächsten vier Jahren will sie die vor allem auf Prävention und Aufklärung setzende Drogen- und Suchtpolitik ihrer Vorgängerin fortsetzen, wobei die Reduzierung des Tabak- und Alkoholkonsums für sie an erster Stelle steht. Skeptisch ist die neue Drogenbeauftragte, ob es in ihrer Amtszeit, wie von Nichtraucherverbänden gefordert, zu einem generellen Rauchverbot in Behörden und Gaststätten wie in anderen Ländern kommt. Auf Bundesebene sei derzeit kein Gesetz in dieser Richtung geplant: „Viele Dinge lassen sich hier auch auf kommunaler oder Landesebene klären. Jeder Kommune hat es in der Hand, ein Rauchverbot in Rathäusern zu verhängen. Jedes Bundesland ist dafür verantwortlich, ob es eine Regelung für rauchfreie Schulen trifftt oder nicht. Was den Nichtraucherschutz in Gaststätten betrifft, bin ich auf das Frühjahr gespannt. Dann wird der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband die ersten Ergebnisse der freiwilligen Vereinbarung vorlegen.“ In der Debatte um ein Verbot von Tabakwerbung reagiert Frau Bätzing zurückhaltend: „Wir warten auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes im nächsten Frühjahr.“

          Keine Legalisierung von Drogen

          Ein klare Meinung hat Sabine Bätzing jedoch in der Debatte um die Legalisierung illegaler Drogen, vor allem von Cannabis: „Eine Legalisierung von Drogen wird es mit mir nicht geben.“ Sorgen bereitet Sabine Bätzing vor allem, daß der Konsum von Cannabis bei jungen Menschen zwischen 12 und 25 weiter zunimmt. Schon 13 Prozent in dieser Altersgruppe haben damit Erfahrung. Hier setzt Frau Bätzing auf ineinander „verzahnte“ Aufklärungskampagnen, die auch zugleich vor dem oft mit Cannabis kombinierten Konsum von Alkohol und Zigaretten warnen. Bei dem unter anderem in Hamburg und Frankfurt betriebenen Modell-Projekt der kontrollierten Abgabe von Heroin an Schwerstabhängige, das gerade ausgewertet wird, sieht sie erste positive Anzeichen.

          Einen neuen Akzent will die Jung-Politikerin bei der Bekämpfung des vor allem bei Frauen auftretenden Medikamentenmißbrauchs setzen. Hier soll zunächst eine Studie erstellt werden, um danach das Gespräch mit Ärzten und Apothekern suchen. „Das ist aber auch eine gesellschaftliche Debatte, die man führen muß. In vielen Köpfen hat sich schon die Haltung festgesetzt, daß man immer gut drauf sein muß.“ Sie selbst hat nie geraucht, und „ich war auch noch nie betrunken“. Durch Elternhaus und Freundeskreis habe bei ihr „die Präventionsstrategie gewirkt“. Vor einer Sucht ist indes auch die Drogenbeauftragte nicht gefeit: „Ich esse wahnsinnig gern.“

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