https://www.faz.net/-gpf-13qcc

S-Bahn-Mord in München : Der Tod von Dominik Brunner - ein Fanal

  • -Aktualisiert am

Offen, lebensbejahend, der Welt zugewandt: Dominik Brunner Bild: ddp

Dominik F. Brunner hat sein Leben hingegeben, um vier Kinder in der Münchner S-Bahn vor jungen Gewalttätern zu schützen. Er steht dafür, wozu der Mensch mit seinen hellsten Eigenschaften in der Lage ist - zu selbstloser Fürsorge und zu großem Mut. Sein Tod ist ein Fanal für Deutschland.

          2 Min.

          Sein Tod ist ein Fanal für Deutschland. Dominik F. Brunner hat sein Leben hingegeben, um vier Kinder in der Münchner S-Bahn vor jungen Gewalttätern zu schützen. Er steht dafür, wozu der Mensch mit seinen hellsten Eigenschaften in der Lage ist – zu selbstloser Fürsorge und zu großem Mut. Dass er mit den zwei Verbrechern, die ihn auf dem S-Bahnhof im Stadtteil Solln zu Tode prügelten, auf die dunkelsten Seiten traf, zu denen Menschen auch fähig sind, ist eine Tragödie, nach der ein Gemeinwesen, das sich nicht selbst aufgeben will, nicht in die gewohnten Rituale von politischen Beschuldigungen verfallen darf.

          Brunner ist tief verwurzelt in seiner niederbayerischen Heimat gewesen. Als offen, lebensbejahend, der Welt zugewandt wird er in Ergoldsbach geschildert, einer Gemeinde mit 7500 Einwohnern im Landshuter Hügelland, in der er aufgewachsen ist. Immer Zeit habe er für ein Gespräch gehabt, immer hilfsbereit, immer umgänglich sei er gewesen. Es sind mehr als pflichtgemäß freundliche Worte für einen, der in seinem 51. Lebensjahr durch ein grausames und unfassbares Verbrechen mitten aus dem Leben gerissen worden ist. Wer mit Ergoldsbachern spricht, spürt, dass Brunner die Menschen mochte – und sie ihn.

          Er entstammte einer Unternehmerfamilie. Schon sein Vater prägte den mittelständischen Hersteller von Dachziegeln und Kaminbaustoffen, dem auch Brunner diente, zuletzt als Vorstandsmitglied mit den Zuständigkeiten für Finanzen, Organisation, Personal, Recht und Beschaffung. Nach dem Abitur in Landshut und dem Studium der Jurisprudenz in München hatte er seinen beruflichen Weg gemacht, war zu einem Mittelständler geworden, der ganz nah bei den Mitarbeitern war. Er war ein Unternehmensführer, der wusste, dass betriebliche Wertschöpfung mit Wertschätzung für die Arbeiter und Angestellten einhergehen muss.

          Kerzen und Blumen für den Toten am S-Bahnhof Solln in München

          In Ergoldsbach war er zu Hause; in München, seinem Studienort, hatte sich Brunner einen zweiten Lebenskreis geschaffen, in dem er an Wochenenden neue Kraft schöpfte. Am Samstag nachmittag, als er mit der Münchner S-Bahn fuhr und bemerkte, dass den Kindern von den siebzehn und achtzehn Jahre alten Gewalttätern Geld abgepresst werden sollte, erwies er sich als Bürger im besten Sinn. Er wies die beiden Erpresser in die Schranken, bot den verängstigten Kindern an, mit ihm zusammen an seinem Zielbahnhof in Solln auszusteigen und verständigte mit dem Mobiltelelfon die Polizei.

          Nur eine Minute nach Einfahrt des Zuges in Solln trafen erste Sicherheitskräfte dort ein; doch es war zu spät für Brunner, den die beiden Täter nach dem Verlassen des Zuges vor den Augen der Kinder zusammenschlugen und noch traten, als er am Boden lag. Eine erste Obduktion ergab, dass er 22 Verletzungen erlitt, bevor er starb. Sein Weg endete in einer Finsternis, vor der die Gesellschaft allzu lange die Augen verschlossen hat.

          Weitere Themen

          Das Duell der Ungleichen

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Topmeldungen

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.