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Keine Visa für Russen mehr? : Die Frechheit der Freien

Erregt den Zorn Moskaus: die estnische Regierungschefin Kaja Kallas. Bild: EPA

Auch Medwedjews jüngste Äußerungen zeigen, worum es Moskau geht: um die abermalige Unterwerfung der Völker, die schon unter dem sowjetischen Joch litten.

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          Die Forderung, russischen Touristen keine Visa mehr für die EU zu erteilen, hat in Moskau einen wunden Punkt getroffen. Das zeigt allein die Reaktion des ehemaligen Präsidenten Medwedjew, der Gift und Galle spuckte, wie schon so oft. Doch dieses Mal erregte nicht nur der ukrainische Präsident Selenskyj den Zorn von Putins Mann fürs Grobe, sondern auch die estnische Regierungschefin, die sich ebenfalls für eine Einreisesperre ausgesprochen hatte: Kaja Kallas habe, dem „ukrainischen Teppichclown“ folgend, noch mehr „Nazi-Gefasel“ von sich gegeben.

          Für Moskau ist die Freiheit ein Fehler

          Gesagt hatte sie: Es sei ein Privileg, aber kein Menschenrecht, europäische Länder besuchen zu dürfen. Das war keine unbillige Äußerung gegenüber einem Staat, der meint, das Recht zu haben, europäische Länder zu überfallen. Moskaus großrussischer Imperialismus quillt auch aus der „Redewendung“, an die Medwedjew Kallas „erinnerte“: Eure Freiheit ist nicht euer Verdienst, sondern unser Versäumnis.

          Klarer konnte er nicht sagen, worum es dem Kreml geht: nicht um angebliche Sicherheitsinteressen, nicht um angebliche Minderheitenrechte im Donbass, nicht um die angebliche Befreiung der Ukraine von den „Nazis“ in Kiew. Moskau will nichts anderes als die abermalige Unterwerfung der Völker, die vor drei Jahrzehnten das sowjetische Joch abgeworfen hatten – und die tatsächlich die Frechheit besitzen, ihre Freiheit nicht als historischen Fehler anzusehen.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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