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Russlands Präsident : Putin: Ukrainische Armee ist wie die Wehrmacht

  • Aktualisiert am

Wladimir Putin sieht sich als Retter der Krim Bild: dpa

Der russische Präsident Putin zieht einen krummen historischen Vergleich: Die ukrainische Armee erinnere ihn „an die faschistischen deutschen Truppen in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg“.

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          Der russische Präsident Wladimir Putin hat das Vorgehen der ukrainischen Streitkräfte im Osten des Landes mit der Belagerung von Leningrad durch Nazi-Truppen verglichen. „Es erinnert mich leider an die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg“, sagte Putin am Freitag in einem Jugendlager in der Nähe von Moskau. Damals hätten deutsche Faschisten russische Städte umstellt. Die ukrainische Armee kessele nun Dörfer und Städte ein und greife Wohngebiete an. Sie habe das Ziel, die Infrastruktur zu zerstören, beklagte Putin laut der Nachrichtenagentur Reuters. Die russische Agentur Interfax schrieb ihm das Zitat zu: „Ihre Taktik erinnert mich an die der faschistischen deutschen Truppen in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Großstädte wurden eingekesselt und durch gezielten Beschuss zerstört, samt Einwohnern.“

          Die Wehrmacht belagerte Leningrad von September 1941 bis Januar 1944. Durch Hunger, Kälte und Kämpfe kamen Schätzungen zufolge etwa eine Million Menschen ums Leben. Die ukrainische Armee befindet sich allerdings nicht in einem Eroberungskrieg in Russland; sie ist nur auf eigenem Territorium im Einsatz. Sie hat in den vergangenen Wochen versucht, die von Rebellen beherrschten Städte Donezk und Luhansk wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen.

          Über das Verhalten der Separatisten fand Putin in einer Erklärung des Kreml Verständnis. „Der Sinn ihrer militärisch-humanitären Operation besteht darin, die ukrainische Artillerie und die Mehrfachraketenwerfer von den Großstädten zu verdrängen, damit sie nicht mehr friedliche Zivilisten töten können“, so Putin. Mit seinem ausdrücklichen Lob für die Separatisten verstärkte er den Eindruck enger Bande mit den Aufständischen.

          „Wir haben die Krim geschützt“

          Mit einer Referenz an das Zarenreich schürte Putin zudem Befürchtungen des Westens, dass sich Russland größere Teile der Ukraine als nur die im März annektierte Krim einverleiben könnte. Er bezeichnete die Separatisten als Verteidiger eines „Neuen Russlands“ und bediente sich damit eines Begriffs für imperiale Hoheitsgebiete der Zarenzeit.

          Der russische Präsident verteidigte abermals das Vorgehen Moskaus im Fall der Schwarzmeer-Halbinsel Krim: „Wir haben die Krim nicht annektiert, sondern geschützt. Sonst würde es dort jetzt so aussehen wie in der Ostukraine.“ Russland hatte sich die völkerrechtlich zur Ukraine gehörende Region im März nach einem umstrittenen Referendum einverleibt. Nun sagte Putin, es sei unverständlich, warum der Westen die Führung in Kiew nicht kritisiere.

          Die Menschen in der Ostukraine seien mit dem Machtwechsel in Kiew im Februar nicht einverstanden gewesen und würden nun dafür bestraft. „Wenn das die heutigen europäischen Werte sind, so bin ich in höchstem Maße enttäuscht“, sagte Putin. Der Westen müsse mehr Druck auf die ukrainische Regierung ausüben. „Dem Westen sollte endlich klar werden, dass es die ukrainischen Behörden nicht allein schaffen, Ordnung wiederherzustellen“, sagte der russische Präsident.

          Angesichts der russischen „Aggression“ im Osten des Landes kündigte die ukrainische Regierung einen neuen Anlauf zur Nato-Mitgliedschaft an. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sagte, es werde ein entsprechender Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht, um „den blockfreien Status zu beenden und auf den Weg zum Nato-Beitritt zurückzukehren“. Russland ist strikt dagegen, dass sein westlicher Nachbar von der Nato aufgenommen wird. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte dazu in Brüssel, die Militärallianz werde es „vollkommen respektieren“, wenn sich das ukrainische Parlament zu einem politischen Kursschwenk entscheide.

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