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Ukraine-Krise : Schröder wirbt um mehr Verständnis für Russland

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Stolz darauf, ein Russland-Versteher zu sein: der frühere Bundeskanzler Schröder im April 2004 bei einem Treffen mit Wladimir Putin in Hannover Bild: dpa

Er sei stolz darauf, als „Russland-Versteher“ zu gelten, sagt der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder und wirbt in Rostock für den Dialog mit Moskau. „Immer schärfere“ gegenseitige Wirtschaftssanktionen seien in der Ukraine-Krise der falsche Weg.

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          Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat dafür geworben, den Dialog mit Russland trotz des fortwährenden Ukraine-Konflikts zu suchen. „Nur so kann Vertrauen entstehen, das derzeit fehlt“, sagte Schröder am Mittwoch in Rostock auf dem Russland-Tag der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns. Solche Wirtschaftstreffen könnten zu einem neuen Brückenschlag zwischen Deutschland und Russland führen.

          Allerdings schließe ein Dialog Kritik nicht aus. „Kritik gehört zu einem sachlichen Austausch von Meinungen dazu“, betonte Schröder. Er mahnte die Politik, weiter um ein friedliches Europa zu ringen. „Es ist uns - und da schließe ich meine Amtszeit ausdrücklich mit ein - nicht gelungen, eine stabile Friedens- und Sicherheitsstruktur in Europa zu schaffen“, sagte er.

          Schröder warnte die Vereinigten Staaten und die EU vor neuen Russland-Sanktionen in der Ukraine-Krise. „Die gegenseitigen Sanktionen schaden beiden Seiten immens“, sagte Schröder auf dem Unternehmertag und fügte hinzu. „Deswegen mahne ich an, dass sowohl die russische als auch die europäische Politik aus der Spirale von immer schärferen Wirtschaftssanktionen herausfinden müssen.“

          „Russland ein verlässlicher Lieferant“

          Schröder betonte zudem die Bedeutung einer wirtschaftlichen Verflechtung mit Russland, mit dem Europa gemeinsame Interessen habe. „Wir sind gut beraten, diese Energie- und Rohstoffpartnerschaft weiter auszubauen - nicht nur, weil Russland ein verlässlicher Lieferant war, ist und bleibt, sondern auch, weil unsere deutsche Industrie auf diese Rohstoffe, dabei geht es nicht nur um Öl und Gas, existenziell angewiesen ist“, sagte Schröder, der Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG ist.

          Russland fühle sich schon seit den Zeiten Napoleons vom Westen bedroht, sagte der SPD-Politiker. Dies müsse man bei seinem Handeln im Hinterkopf haben. Er stehe dazu, dass er Russland, seine Menschen und seine politische Führung verstehen wolle. Dafür schäme er sich nicht, „im Gegenteil: ich bin stolz darauf.“ Der Begriff „Russland-Versteher“ sei zu einem Kampfbegriff geworden, mit dem jene diskreditiert werden sollten, die eine differenzierte Debatte führen wollten. Es gehe darum, zu verstehen, „warum der Andere handelt, wie er handelt„. Schröder ist mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eng befreundet.

          Vergangene Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Aufhebung von Sanktionen gegen Russland in der Ukraine-Krise abgelehnt. Zugleich hatte aber auch sie betont, dass es „gute Gründe gibt, die Energiepartnerschaft mit Russland fortzusetzen“.

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