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Russland : Putin für neues Verteidigungsbündnis

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Geschickter Schachzug vor G8-Gipfel: Wladimir Putin Bild: AP

Russland will mit ins Boot. Auf seiner ersten großen Pressekonferenz sprach sich Präsident Putin für eine neue Allianz mit Russland als gleichberechtigtem Partner aus.

          Mit einem öffentlichkeitswirksamen politischen Rundumschlag hat der russische Präsident Wladimir Putin seinen Auftritt auf dem G-8-Gipfel in Genua am Wochenende vorbereitet.

          Auf der ersten großen Pressekonferenz in seiner Amtszeit in Russland wies er am Mittwoch Vermutungen über ein gemeinsames russisch-chinesisches Raketenabwehrprojekt als Reaktion auf entsprechende amerikanische Pläne zurück, wie sie nach Putins Treffen mit seinem Pekinger Kollegen Jiang Zemin zu Wochenbeginn geäußert wurden. Russland verfüge auch allein über „genügend Mittel, um auf jede Veränderung im Bereich der strategischen Stabilität zu reagieren“, sagte er.

          Kritik an Ost-Erweiterung

          Er freue sich auf das Treffen mit dem amerikanischen Präsident George W. Bush in Genua, zu dem er ein gutes Verhältnis aufgebaut habe. Abermals kritisierte Putin die Ost-Erweiterung der Nato. Dieser Schritt sei militärisch und politisch gesehen absolut sinnlos. Skeptisch äußerte sich Putin zu Behauptungen, das Bündnis habe sich von einer militärischen zu einer politischen Organisation entwickelt. „Eine politische Organisation wäre nicht in der Lage gewesen, Bombenangriffe auf Jugoslawien zu fliegen. Das hat eine militärische Organisation getan, was uns nicht gerade freut.“

          Neue Allianz gründen

          Das westliche Bündnis sei nicht der Feind Russlands, jedoch sehe er keinen Grund für seine Existenz. Stattdessen sprach er sich für einen gemeinsamen „Sicherheits- und Verteidigungsraum“ in Europa aus, der durch die Auflösung der Nato, einen russischen Nato-Beitritt oder die Gründung einer neuen Allianz mit Russland als gleichberechtigtem Partner erreicht werden könne.

          Rund 500 russische und ausländische Journalisten waren zu dem seltenen Medienereignis erschienen, das im Gebäude des früheren Obersten Sowjet stattfand. Putin wirkte während der über einstündigen Fragestunde souverän. Bislang hatte er seine Interviews meist nur in sorgfältig vorbereiteten kleineren Runden gegeben.

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