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Russland oder Ukraine? : Krim-Tataren erwägen Gegen-Referendum

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Refat Tschubarow, Vorsitzender der wichtigsten Tataren-Versammlung Bild: dpa

Ein Referendum der 300.000 muslimischen Tataren auf der Krim über ihre staatliche Zugehörigkeit könnte den Konflikt mit Moskau anheizen.

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          Die Tataren auf der Krim erwägen, in einer eigenen Volksabstimmung darüber zu entscheiden, ob sie zur Ukraine oder zu Russland gehören wollen und könnten so neue Spannungen auf der Halbinsel auslösen. „Die Krim-Tataren sollten selbst über ihr Schicksal bestimmen“, sagte Refat Tschubarow, der Vorsitzende der wichtigsten Tataren-Versammlung, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

          Die 250 Mitglieder der Versammlung würden am Samstag über die Zukunft der rund 300.000 Krim-Tataren nach der Eingliederung der Krim in die Russische Föderation beraten, sagte Tschubarow. Denkbar sei, dass man sich für ein eigenes Referendum aussprechen werde. „Innerhalb von drei Wochen finden wir uns in einer völlig anderen Situation wieder“, so Tschubarow. „Niemand hat uns, die Krim-Tataren, gefragt, wie wir leben wollen.“

          „Wir haben keinen Platz außerhalb der Krim“

          Die muslimischen Krim-Tataren hegen ein tiefes Misstrauen gegenüber Russland, das in ihrer Massendeportation nach Zentralasien im Jahr 1944 unter Josef Stalin begründet ist. Vor zwei Jahrzehnten kehrten die ersten Krim-Tataren zögerlich in ihre Heimat zurück und stehen seither loyal zur Ukraine. Heute stellen sie mit rund 15 Prozent eine Minderheit unter den rund zwei Millionen Bewohnern der Krim.

          Die Halbinsel im Schwarzen Meer fiel 1954 von Russland an die Sowjetrepublik Ukraine - vorangetrieben von Stalins Nachfolger Nikita Chruschtschow, einem gebürtigen Ukrainer. Mit der Unabhängigkeit der Ukraine nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ging die Krim, auf der die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist, für die Regierung in Moskau verloren - was Russland als Ungerechtigkeit beklagte.

          Die Krim-Tataren sehen das anders. „Wir sind zwar weniger als die ethnischen Russen oder Ukrainer“, sagte Tschubarow. „Aber das ist unser Land. Wir haben keinen anderen Platz außerhalb der Krim.“

          Tschubarow fürchtet, dass die Krim-Tataren gezwungen werden, einen russischen Ausweis zu beantragen, wenn sie Schwierigkeiten vermeiden wollen. Eine doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt das ukrainische Gesetz nicht. „Die Menschen könnten am Ende gezwungen sein, Bürger des Landes zu werden, das ihnen die Situation aufgezwungen hat, oder Bürger des Landes zu bleiben, das nicht in der Lage war, sie zu verteidigen.“

          Ukraine sucht Unterstützung der UN-Vollversammlung

          Unterdessen sucht die Ukraine in der Krim-Krise die Unterstützung der UN-Vollversammlung. Das Land legte dem Gremium eine Resolution vor, die dazu aufruft, das Ergebnis des Referendums auf der Schwarzmeer-Halbinsel nicht anzuerkennen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Demnach appelliert der Entwurf an die internationale Gemeinschaft, keine Veränderung der ukrainischen Grenzen anzuerkennen und eine diplomatische Lösung der Krise zu finden. Russland wird in dem Papier in diesem Zusammenhang nicht erwähnt.

          Es wird erwartet, dass die Vollversammlung bei einer Sitzung am Donnerstag über den Entwurf abstimmt. Unter den 193 Mitgliedern des Gremiums ist auch Russland, alleine könnte es die Resolution aber nicht verhindern. Resolutionen der Vollversammlung sind allerdings nicht bindend.

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