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Präsidentenwahl in Russland : Fernsehmoderatorin will Putin herausfordern

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Ksenja Sobtschak macht sich eigenen Angaben zufolge Sorgen über den Zustand Russlands und will deshalb bei der Präsidentenwahl im nächsten Jahr antreten. Dem Kreml könnte das gelegen kommen.

          Mit einem flammenden Appell für echten Wettbewerb bei den russischen Präsidentenwahlen hat die kremlkritische Journalistin Ksenja Sobtschak ihre Kandidatur angekündigt. Junge Leute hätten seit Jahren immer nur dieselben Politiker zur Auswahl, sagte Sobtschak in einem Videoclip auf ihrer Webseite am Mittwoch. „Ich bin dagegen. Ich möchte die Möglichkeit zurückbringen, gegen alle zu stimmen“, sagte sie. Beobachter bewerten ihre Kandidatur indes als vom Kreml gewollte Opposition, die liberale und junge Stimmen vereinen und so eine Alternative etwa zum Regierungskritiker Alexej Nawalnyj sein solle. Für eine Kandidatur muss sie aber zuerst noch 300.000 Unterstützer-Unterschriften sammeln.

          Die 35 Jahre alte Sobtschak ist die Tochter des früheren St. Petersburger Bürgermeisters Anatolij Sobtschak. Dieser gilt als politischer Ziehvater von Präsident Wladimir Putin. Sobtschak hatte Putin in den 1990er Jahren zu seinem Stellvertreter gemacht.

          Bevor Ksenja Sobtschak Journalistin wurde, war sie als TV-Star und Glamour-Girl im russischen Boulevard bekannt. Kritiker verspotteten sie als „russische Paris Hilton“. Seit Anfang der 2010er Jahre positionierte sie sich zunehmend als liberale Regierungskritikerin. 2012 übernahm sie eine Talk-Show beim Internet-Sender Doschd.

          Amtsinhaber Putin hat noch nicht öffentlich gesagt, ob er im kommenden Frühjahr wieder antreten wird, jedoch geht die russische Öffentlichkeit davon aus. Offiziell müssen die Kandidaten bis Dezember aufgestellt werden.

          „Als ich 18 war, wurde Wladimir Putin Präsident. Die Kinder, die in diesem Jahr geboren wurden, gehen dieses Mal selber wählen“, sagte Sobtschak. Seit fünf Jahren demonstriere sie mit Oppositionellen. Sie habe verstanden, dass das Leben schrecklich werde, wenn niemand versuche, etwas zu ändern. Unabhängige Politiker wie Nawalnyj würden im Gefängnis sitzen, „und nichts wird sich ändern“, sagte sie.

          Sobtschaks Kandidatur kommt nicht überraschend. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, dass eine Frau als Gegenbewerberin zum unausgesprochenen Kandidaten Putin gesucht werde. Auch Sobtschaks Name fiel dabei. Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte der Agentur Tass, Sobtschak habe ihre Entscheidung nicht mit dem Kreml besprochen.

          Das kritische Portal newtimes.ru stufte die Journalistin indes als vom Kreml gewünschte liberale Oppositionelle ein. „Sie soll die Aufmerksamkeit der liberalen Wählerschaft erregen“ – und damit auch die Kandidaten der Kommunisten und der Liberaldemokratischen Partei (LDPR) in Schach halten, hieß es.

          Bislang haben unter anderem der Rechtspopulist Wladimir Schirinowskij von der LDPR sowie Grigori Jawlinskij von der liberalen Oppositionspartei Jabloko ihre Kandidaturen erklärt. Beide waren schon mehrfach angetreten. Jabloko ist nicht in der Duma vertreten. Die LDPR hat 39 Mandate, sie gilt als „systemnahe Opposition“. Die Kommunistische Partei hat sich noch nicht festgelegt.

          Zudem möchte sich der Anti-Korruptions-Aktivist Nawalnyj auf das höchste Staatsamt bewerben. Die Wahlbehörde will ihn aber wegen einer Bewährungsstrafe nicht zulassen. Erst am Dienstag hatte Wahlleiterin Ella Pamfilowa bekräftigt, dass sich Nawalnyj wegen der Verurteilung nach derzeitigem Stand erst von 2028 an zur Wahl stellen könne.

          Nawalnyj sieht das anders und fordert das Recht auf eine Kandidatur ein. Er hat landesweit rund 80 Wahlkampfbüros eröffnet und organisiert immer wieder zu Proteste. Derzeit sitzt er wegen des Aufrufs zu einer nicht genehmigten Kundgebung eine Arreststrafe ab.

          Sobtschak könnte nach Einschätzung von newtimes.ru auch als ausdrückliche Gegnerin Nawalnyjs auftreten. „Sie wird Nawalnyj aus der Position der liberalen Journalistin kritisieren und ihm Führerprinzip und Populismus vorwerfen“, schrieb das Portal unter Berufung auf Kremlkreise. In der Zeitung „Wedomosti“ schrieb Sobtschak jedoch, sie rufe auch dazu auf, Nawalnyj zuzulassen.

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