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Russland-Debatte : „Nato-Beitritt in der Logik"

  • Aktualisiert am

Russlands Verteidigungsminister Iwanow und der Generalsekretär der Nato, Robertson Bild: dpa

Der angesehene Friedensforscher und Politologe Ernst-Otto Czempiel hält den von Moskau ins Spiel gebrachten russischen Nato-Beitritt für folgerichtig, aber unwahrscheinlich.

          Gegen einen Beitritt Russlands zur Nato spricht nach Auffassung des Politikwissenschaftlers Ernst-Otto Czempiel zumindest aus europäischer Sicht nichts.

          Eine Aufnahme Russlands in das Bündnis, wie ihn der russische Präsident Wladimir Putin in die Diskussion gebracht hat, liege „in der Logik der Nato-Osterweiterung und seit dem 11. September in der Logik der Nato-Politik insgesamt“, sagte Czempiel in einem Interview.

          Russland wichtiger Sicherheitspartner

          Wer einen Beitritt dennoch grundsätzlich ablehne, sage indirekt, „dass die NATO sich
          doch noch gegen Russland richtet“, fügte Czempiel hinzu. Die Terroranschläge vom 11. September hätten endgültig klar gemacht, dass die Nato mit dem internationalen Terrorismus heute einer ganz anderen Bedrohung gegenüber stehe. In dieser Situation
          werde Russland mit seinem Einfluss in Mittelasien wieder zu einem wichtigen Sicherheitspartner.

          Die Vereinigten Staaten hätten dies bereits erkannt, betonte der Politologe. In der globalen Koalition gegen den Terror, die die Amerikaner jetzt schmiedeten, spiele insbesondere Russland eine wichtige Rolle, aber auch Staaten wie Pakistan oder der Iran. Dagegen hätten die Amerikaner die Nato „eher beiläufig zu Beistand aufgefordert und im Wartestand belassen“.

          Eher unwahrscheinlich

          Vor diesem Hintergrund rechnet Czempiel damit, dass die Nato „in den Augen der USA in ihrer weltpolitischen Rolle reduziert wird“. Die europapolitische Bedeutung der Allianz als transatlantische Klammer, die Washington Einfluss in Europa sichere, bleibe aber bestehen. Diese Einflussfunktion lasse sich mit einem Nato-Beitritt Russlands
          allerdings nicht vereinbaren. Ein Nato-Beitritt Russlands sei von daher eher unwahrscheinlich, ungeachtet aller Argumente, die dafür sprächen.

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