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Russische Kathedrale in Paris : Sankt Wladimir an der Seine

Neuer Blick auf den Eiffelturm: Die russisch-orthodoxe Kathedrale im Zentrum von Paris. Bild: Helmut Fricke

Der Kreml hat eine orthodoxe Kathedrale in Paris bauen lassen. Während Marine Le Pen das gefällt, sehen Kritiker in der Kirche ein klares Zeichen russischen Machtanspruchs, auch wenn Putin seinen geplanten Besuch in Frankreich abgesagt hat.

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          Sankt Wladimir“ ist schon von weitem zu sehen. So hat Frédéric Mitterand, der frühere französische Kulturminister, den auffälligen Kirchenbau getauft, der am Seine-Ufer die Perspektive auf den Eiffelturm verändert. Ein großer und vier kleine glänzende Zwiebeltürme ragen jetzt direkt an der Alma-Brücke in den Pariser Himmel. Damit hat sich Wladimir Putin einen französischen Traum erfüllt: Mitten im touristischen Herz der Hauptstadt zieht fortan die neue russisch-orthodoxe Kathedrale die Blicke der Einheimischen und Touristen an.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Der Kirchenbau ist ein deutliches Signal für den erneuerten Machtanspruch Russlands in Frankreich“, sagt die französische Russland-Forscherin Cécile Vaissié. Die Universitätsprofessorin hat den „Netzwerken des Kreml in Frankreich“ („Les réseaux du Kremlin en France“) ein Buch gewidmet und zeigt sich im Gespräch mit der F.A.Z. überzeugt, dass Putin geostrategische Ziele mit dem Prestigebau in Paris verbindet. „Das Baugrundstück ist direkt vom russischen Staat gekauft worden. Der gesamte Komplex, Kathedrale, Kulturzentrum und Schule, werden von der russischen Botschaft gesteuert“, sagt Vaissié.

          Der russische Präsident wolle ein deutliches Zeichen in dem seit den islamistischen Terroranschlägen zutiefst verunsicherten Land setzen. „Putin stellt die christliche Berufung Russlands in den Vordergrund. Er weiß, dass der Front National und führende Politiker der Konservativen in ihm den neuen Schutzpatron der Christenheit sehen wollen“, analysiert die Russland-Forscherin. Obwohl diese Vermischung von Religion und weltlicher Macht im laizistischen Frankreich eigentlich unzulässig sei, werde sie im Fall Putins hingenommen. Präsident François Hollande erwog, an der Seite Putins den Bau einzuweihen. Doch die Absage des für den 19. Oktober geplanten Besuch des russischen Staatspräsidenten hat Hollande die Entscheidung vorerst abgenommen.

          Putins Freunde

          Die vom französischen Architekten Jean-Michel Wilmotte entworfene Kathedrale mit integriertem Gemeinde- und Kulturzentrum sowie Schulgebäude aus hellem Stein ist auf dem Gelände entstanden, auf dem zuvor die französische Wetterbehörde „Météo France“ ihren Hauptsitz hatte. „Météo France“ wurde in die Banlieue verlegt, um Geld in die französische Staatskasse zu spülen. 2010 wurde das Grundstück offiziell zum Verkauf ausgeschrieben. Für das 8400 Quadratmeter große Terrain am Quai Branly gab es etliche Interessenten. Doch in der französischen Presse wird der Bieterwettstreit auf ein Duell zwischen Saudi-Arabien und Russland reduziert. Die Golfmonarchie habe eine Moschee bauen wollen, heißt es. „Jetzt sind viele Franzosen Putin dankbar, dass am Seine-Ufer keine Moschee errichtet wurde“, sagt Vaissié. Dies liege aber vor allem an der Desinformationspolitik. Sie könne sich nicht vorstellen, dass es wirklich nur eine Alternative zwischen Kathedrale und Moschee gab. Marine Le Pen gefällt das neue Wahrzeichen an der Seine besonders. Sie sieht darin ein Zeichen für die Stärke Russlands. Während in Frankreich viele Kirchenbauten geschlossen werden müssten, weihe Putin eine neue Kathedrale ein. Le Pen lässt sich ihren Präsidentschaftswahlkampf mit russischen Krediten in Höhe von elf Millionen Euro finanzieren. Aber auch Sarkozy stellt sich im Vorwahlkampf als Freund Putins vor.

          An die orthodoxe Kathedrale ist ein Studienzentrum angeschlossen.
          An die orthodoxe Kathedrale ist ein Studienzentrum angeschlossen. : Bild: Helmut Fricke

          Als Präsident setzte sich Sarkozy maßgeblich dafür ein, dass das Grundstück am denkmalgeschützten Seine-Ufer an Putin ging. Etwa 70 Millionen Euro zahlte Moskau allein für das Gelände, weitere 100 Millionen für den Bau. In seinem Buch „La récréation“ schreibt Sarkozys Kulturminister Mitterrand, dass er die Fortschritte des Projekts persönlich überwachen musste. „Der Präsident (Nicolas Sarkozy) hat es Putin versprochen“, so Mitterrand. Er schildert, wie Putin ihn wegen seiner Bemühungen lobte und „mir mit großen Schlägen auf die Schulter klopft, als seien wir früher zusammen durch Tschetschenien gerobbt“. Mitterrand schreibt weiter, wie ihn Gewissensbisse überkommen hätten angesichts dieses Kniefalls vor dem russischen Staatschef. „Trotz der allgemeinen Euphorie kann ich nicht umhin, einen beunruhigten Blick auf das andere Seine-Ufer zu werfen, dort, wo die künftige Kathedrale Sankt Wladimir gebaut werden soll“, schreibt er. Die französischen Geheimdienste schlugen Alarm. Der neue russische Bau liegt in unmittelbarer Nachbarschaft mehrerer Wohngebäude für hohe Beamte des Elysée-Palastes. Der diplomatische Berater des Präsidenten sowie sein persönlicher militärischer Stabschef wohnen am Quai Branly. Es müsse sichergestellt werden, dass Russland keine Abhöreinrichtungen in dem religiösen Zentrum unterbringe, warnten die Geheimdienste. Aber Sarkozy schlug Bedenken aus. Dabei nutzten sogar die Amerikaner ihr zentral gelegenes Botschaftsgebäude an der Place de la Concorde für die Einrichtung einer Abhörstation.

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