https://www.faz.net/-gpf-7r33b

Französische Kriegsschiffe für Putin : Die Liebe der russischen Matrosen

Russische Soldaten lernen das modernste Kriegsschiff „Wladiwostok“ in Saint-Nazaire kennen. Bild: dpa

Die Russen haben im Hafen von Saint-Nazaire angelegt. Die Mission von 400 Marinesoldaten: Mitten in der Ukraine-Krise das von Frankreich gekaufte modernste Kriegsschiff der Welt kennen und bedienen lernen.

          6 Min.

          „Und jetzt die Russen!“: Immer wieder schaut der alte Mann mit dem wettergegerbten Gesicht durch sein Fernglas und nimmt die russischen Soldaten in dunkelblauer Matrosenuniform an Bord der „Smolny“ ins Visier. Sie schleppen Kartons und Kartoffelsäcke, Proviant für die nächsten Wochen, die sie im abgezäunten Hafengebiet von Saint-Nazaire verbringen werden. Der alte Schaulustige hinter dem Eisengitter am Kai spricht von den Deutschen, die während des Zweiten Weltkriegs die U-Boot-Basis errichtet hatten, von den Briten, die Saint-Nazaire als „Flak City“ bombardierten, von den Amerikanern, die später als Befreier den Hafen ausbauten und schüttelt wieder mit dem Kopf: „Und jetzt die Russen!“. Neben ihm stehen zwei jüngere Frauen, die an den schlecht geschnittenen Uniformen der Soldaten mäkeln. Ein Kameramann vom Regionalfernsender France 3 filmt. „Die Russen“ sind eine Kuriosität in der Hafenstadt an der Loiremündung.

          Die Russen haben nur eine Mission

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Vom russischen Marinestützpunkt Kronstadt bei Sankt-Petersburg ist die „Smolny“ mit 400 Mann an Bord in den französischen Atlantikhafen gekommen, für mindestens vier Monate. Landgang ist in Ausnahmefällen vorgesehen. Die Besatzung schläft an Bord und wird dort auch verköstigt. Die Soldaten haben nur eine Mission: Sie sollen das künftig modernste Kriegsschiff der russischen Pazifikflotte kennen- und bedienen lernen, den von der in Saint-Nazaire beheimateten Werft STX France gebauten Hubschrauberträger „Wladiwostok“.

          Der Name der russischen Hafenstadt prangt in kyrillischen Lettern am Bug des 200 Meter langen und fast 65 Meter hohen, in frischem Grau hervorragenden Militärschiffes. Die Marinesoldaten begutachten es anerkennend von Bord, es liegt nur ein paar Schwimmzüge von der mit Rostspuren übersäten „Smolny“ vor Anker.

          „Möge es der älteste Spross einer großen französisch-russischen Familie sein!“, hatte Patrick Boissier, der Chef des staatlichen Marineunternehmens DCNS bei der Taufe des ersten – von möglicherweise vier – Hubschrauberträgers für die Russen im vergangenen Oktober gesagt. Am Bug wurde eine Flasche Champagner zerschlagen. Dann sprach der Erzpriester, der eigens aus der russisch-orthodoxen Kathedrale von Nizza nach Saint-Nazaire eingeflogen worden war. Es wurde auf die russisch-französische Marinefreundschaft angestoßen, die am 22. Juli 1891mit einem französischen Fregattenbesuch im Hafen von Kronstadt begonnen hatte.

          500 französische Arbeitsplätze gesichert

          Doch mit der Ukraine-Krise ist den französischen Verantwortlichen die Freude über das Milliardengeschäft vergangen. Laurent Castaing etwa, der seit 2012 der STX-Werft als Generaldirektor vorsteht, wünscht sich nur noch Diskretion. In der Empfangshalle der Werft stehen gar nicht diskret zwei dutzend russische Marineoffiziere in Uniform und palavern. Vor den Glasvitrinen mit Kreuzfahrtschiffmodellen der Werft fotografieren sie sich gegenseitig. Die meisten können weder Englisch noch Französisch, sagt die Empfangsdame. Eine Dolmetscherin treibt die Offiziere auf Russisch zusammen, es steht eine erste Schulung an.

          Insgesamt 500 französische Arbeitsplätze hat der Bau der „Wladiwostok“ bei der STX-Werft und bei den Zulieferern gesichert und weitere 500 Posten hängen vom Bau des zweiten Schiffes für die russische Schwarzmeerflotte mit dem Namen „Sewastopol“ ab. Im Juli soll mit den Arbeiten im Trockendock in Saint-Nazaire begonnen werden.

          Weitere Themen

          „Die Politik ist gegen uns“ Video-Seite öffnen

          „Bauerndemo“ in München : „Die Politik ist gegen uns“

          In München und Bonn gingen mehrere Tausend Beschäftigte aus der Landwirtschaft auf die Straße, um sich Gehör zu verschaffen. Tausende Landwirte appellierten mit Demonstrationen an Verbraucher und Politik, um positiver wahrgenommen und besser unterstützt zu werden.

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.
          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.