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Rückzug der Miliz : Somalias Chance

  • -Aktualisiert am

Soldaten der Amisom, der afrikanischen Friedenstruppe in Mogadischu Bild: ©Helmut Fricke

Das Problem in Somalia ist ein politisches, kein humanitäres. Die Al-Shabaab-Miliz muss ausgeschaltet werden, um den Spuk des islamischen Terrorismus am Horn von Afrika endlich zu beenden.

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          Aus zwei Gründen ist die Al-Shabaab-Miliz aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu abgezogen: die schweren Verluste, die ihr durch die afrikanische Friedenstruppe beigebracht wurden, und die Wut der Menschen auf die Islamisten. Die Radikalen versuchen, die Hungersnot zur Rekrutierung neuer Kämpfer zu benutzen. Die Bevölkerung haben sie mit der Zuteilung von Lebensmitteln regelrecht erpresst.

          Was wäre passiert, wenn die vielen Hilfsorganisationen tatsächlich Erfolg gehabt hätten, und die Al-Shabaab-Miliz ihnen Zutritt zu den von ihr kontrollierten Gebieten gegeben hätte? Das Ergebnis wäre eine erstarkte Miliz gewesen, gut genährt, die Reihen mit neuen Kämpfern gefüllt und zudem mit Geld für neue Munition aus Eritrea in den Taschen. Nur eines wäre nicht so sicher gewesen: ob weniger Menschen an Hunger gestorben wären.

          Das entscheidende Problem in Somalia ist ein politisches, kein humanitäres. So dramatisch die gegenwärtige Hungersnot auch ist, sie wird sich mit Sicherheit wiederholen, solange das Land immer wieder im Krieg versinkt und weder stabile Regierung noch intakte Institutionen hat. Ob Somalia je zu einer staatlichen Ordnung finden kann, die für die Bevölkerung sorgt, mag angesichts der Geschichte des Landes und der personellen Besetzung der gegenwärtigen Übergangsregierung zweifelhaft erscheinen. Dennoch war die Gelegenheit noch nie so günstig wie jetzt.

          Al Shabaab ist entscheidend geschwächt, und es gilt, diese Schwäche auszunutzen, um den Spuk des islamischen Terrorismus am Horn von Afrika endlich zu beenden. Das Instrument dafür ist vorhanden: Amisom, die afrikanische Friedenstruppe in Mogadischu. Würde diese mit mehr Geld versorgt, könnte die Truppenstärke soweit erhöht werden, dass militärische Aktionen in den Hochburgen der Radikalen im Süden des Landes möglich wären. Damit ließen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: al Shabaab könnte ausgeschaltet und sichere Zonen für die Hungernden eingerichtet werden. Das ist der Plan des ugandischen Oberkommandierenden von Amisom. Doch die Geberländer wollen ihre finanziellen Zuwendungen für die AU-Truppe nicht erhöhen. Und westliche Hilfsorganisationen reden nicht mit Militärs, erst recht nicht, wenn die aus Afrika stammen. So wird eine historische Chance vertan.

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