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Kandidatur : Nicolas Sarkozy will wieder Präsident werden

  • -Aktualisiert am

Nicolas Sarkozy hat bereits kurz nach der Niederlage durchblicken lassen, dass er sein Amt vermisst. Bild: AFP

Der frühere Präsident will zurück an die Macht. Am Mittwoch werde er seine Kandidatur öffentlich machen, heißt es aus seinem Umfeld. Wie stehen seine Chancen auf dem Weg in den Élysée-Palast?

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          Nicolas Sarkozy will wieder französischer Präsident werden. Der 61-Jährige werde in einem Buch, das am Mittwoch erscheinen soll, seine Bewerbung für die Präsidentschaftskandidatur der konservativen Republikaner verkünden, hieß es am Montag aus seinem Umfeld. Eine Überraschung ist das nicht, denn Sarkozy hat seine Rückkehr von langer Hand vorbereitet.

          Immer wieder hat er sein Interesse angedeutet, hat darauf hingearbeitet, sich in Stellung gebracht und potentielle Konkurrenten attackiert. Nur eines hat Sarkozy offen nie gesagt: Dass er Präsident werden will. Er hat sich mit diesem scheinbaren Geheimnis umgeben, um so noch zusätzliche Spannung zu schaffen und einen feierlichen Überraschungsmoment für den Auftritt der Verkündung zu bewahren. Die Liebe an der politischen Inszenierung, so scheint es, hat sich Sakozy bewahrt.

          Der wichtigste Schritt zurück an die Spitze der französischen Politik war, als er sich 2014 den Parteivorsitz der UMP zurückeroberte. Spätestens da war seine Absicht zur Rückkehr in den Élysée-Palast klar, seine Stellung innerhalb der Partei gestärkt und er wieder auf der großen Bühne angekommen – und das alles gut zwei Jahre nachdem er verkündete, sich vollständig aus der Politik zurückzuziehen.

          Mit dem Bewerbungs-Buch zur Macht

          Nach den islamistischen Anschlägen in Paris im November 2015 auf Restaurants und das Konzerthaus Bataclan machte Sarkozy dann mit deutlichen Forderungen auf sich aufmerksam. So schlug er vor, dass Islamisten mit Hilfe elektronischer Fußfesseln unter Hausarrest gestellt werden sollen. Die Anschläge haben ihm geholfen, sein politisches Profil zu schärfen. Zuwanderung und Identität waren schon vorher seine Themen.

          Ein weiteres Zeichen für Sarkozys Ambitionen zeigte sich Anfang dieses Jahres, als er sein neues Buch „La France pour la vie“ (etwa: Frankreich, ein Leben lang) vorstellte. Wer in Frankreich in die politische Elite will, zeigt mit solchen Büchern, dass er gebildet und reflektiert ist. Sarkozy, der zurück an die Spitze des Staates strebt, wollte sich mit diesem Buch dafür empfehlen. Viele von Sarkozys innerparteilichen Konkurrenten hatten zu dem Zeitpunkt ihre Bewerbungs-Bücher schon vorgestellt.

          Positionieren gegen den Front National

          Im Frühling dieses Jahres steigerte Sarkozy seine Vorbereitungen für die Präsidentschaftskandidatur noch einmal: mehr Auftritte, mehr Interviews, mehr Sarkozy. In einem Fernsehbeitrag des französischen Senders France 2 vom 26. Juni durften die Zuschauer dem konzentrierten Sarkozy beim Arbeiten im Flugzeug zuschauen, ihn beim Joggen begleiten und sich von ihm beim Signieren seiner Bücher nachdenklich ins Ohr schnurren lassen. Wahlkampf pur und ganz im Sinne des ehemaligen Staatschefs.

          Auch auf internationaler Bühne bewegt sich Sarkozy wieder wie in alten Zeiten. Im Juni traf er erst Russlands Präsident Wladimir Putin in Sankt Petersburg, ein paar Tage später Angela Merkel (CDU) in Berlin. Sarkozy ist es wichtig zu beweisen, dass er nach wie vor ein Staatsmann ist. Dafür demonstriert er, dass er mit Kanzlerin Merkel gut bekannt ist und mit den Wichtigen der Welt verkehrt. Gerade Merkel hat da einen besonderen Stellenwert, weil er im Präsidentschafts-Wahlkampf 2012 mit Deutschland als wirtschaftlichem Vorbild für Frankreich argumentiert hatte.

          Jüngst hat Sarkozy das Recht in Frage gestellt, dass in Frankreich geborene Kinder automatisch die französische Staatsbürgerschaft bekommen. Das Kalkül, dem rechtsextremen Front National damit Wähler abzugewinnen, war offenkundig. Überhaupt glauben viele in der konservativen Partei, ein Kandidat, der weiter rechts steht, hat bessere Chancen gegen die Rechtsextremisten zu punkten. Das wiederum verbessert Sarkozys Chancen gegen Moderatere im Rennen um den Spitzenkandidaten-Posten.

          Weiterer Hinweis: Sarkozys Rücktritt vom Parteivorsitz

          Anfang Juli folgte dann die Ankündigung Sarkozys, er werde noch im August zurücktreten vom Parteivorsitz: „Was auch immer in den kommenden Wochen passiert, dieser Parteitag wird mein letzter als Vorsitzender sein", sagte Sarkozy auf einem Parteikonvent. Sein Amt als Vorsitzender der von „UMP“ in „Les Républicains“ umbenannten Partei muss Sarkozy vor einer Kandidatur bei der Vorwahl nämlich noch niederlegen – Spitzenkandidat und Parteichef zugleich, das geht in Frankreich nicht.

          Sarkozys Chancen bei der Vorwahl im November sind gut. Zwar führte sein größter Konkurrent Juppé bisher konstant in den Beliebtheitsumfragen, doch wurde sein Vorsprung auf Sarkozy zuletzt immer kleiner. Der ist zudem angriffslustiger und wird seine Konkurrenten wohl heftig angehen.

          Gefährlich werden könnten dem französischen Ex-Staatschef hingegen alte Affären: So soll seine Partei im Präsidentschafts-Wahlkampf 2012 etwa Ausgaben übernommen haben, die eigentlich dem Kandidaten in Rechnung gestellt hätten werden müssen. Die Justiz ermittelt dazu schon seit dem Jahr des Wahlkampf. Neue Wendungen in Affären wie dieser, könnten die Wahlen entscheidend beeinflussen.

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