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Rudolf Rupprecht : Vorstandschef auf der Zielgeraden

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Vorstandsvorsitzender Rudolf Rupprecht freut sich über gute Nachrichten aus England. MAN hat sich nach langem Warten im Bieterwettbewerb um einen Großauftrag des britischen Verteidigungsministeriums gegen die Konkurrenz durchgesetzt.

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          Vorstandsvorsitzender Rudolf Rupprecht freut sich über gute Nachrichten aus England. MAN hat sich nach langem Warten im Bieterwettbewerb um einen Großauftrag des britischen Verteidigungsministeriums gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Jetzt wird über einen Vertrag für den Kauf und die Wartung von 5000 Militärlastwagen im Wert von 1,6 Milliarden Euro verhandelt. Außerdem hat der Medienkonzern News Corp. 22 Zeitungsdruckmaschinen bei MAN Roland bestellt. Beides sind auch für den Schweden Håkan Samuelsson willkommene Nachrichten, denn er übernimmt Anfang Januar den Vorstandsvorsitz. Rupprecht wird kurz vor seinem 65. Geburtstag am 12. Januar nach 39 Jahren seine Arbeit bei MAN beenden. Ob der Ingenieur Aufsichtsrat wird, steht noch nicht fest. Im Gegensatz zu manchen anderen Vorstandsvorsitzenden hält der stets bescheiden auftretende Manager nichts von einem Wechsel auf den Chefposten des Kontrollgremiums. Doch Rupprechts Pflichtbewußtsein endet nicht mit dem Abschied aus dem Vorstand. Wenn er gerufen wird, wäre er bereit, Aufsichtsratsmitglied zu werden.

          Rupprecht kann mit ruhigem Gewissen den Vorstandsvorsitz an Samuelsson abtreten, der vor vier Jahren von Scania zu MAN als Chef der Nutzfahrzeugsparte gekommen ist. Die Konjunkturschwäche und die größten unternehmenseigenen Schwierigkeiten sind überwunden. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres ist der Auftragseingang um 23 Prozent gestiegen, der Aktienkurs hat sich von seinem Tiefstand unter 11 Euro im Herbst 2002 auf derzeit 28 Euro erholt. Ursprünglich hatte der in Berlin geborene und in Niederbayern aufgewachsene Rupprecht die Absicht, Ende 2003 seinen Ruhestand anzutreten. Doch er ließ sich für ein weiteres Jahr in die Pflicht nehmen, wollte das Konglomerat mit Lastwagen und Bussen, Druckmaschinen, Dieselmotoren, Industriedienstleistungen, Turbomaschinen und Getrieben in damals schweren Zeiten nicht verlassen. Der größten Sparte, den Nutzfahrzeugen, hatte ein alles andere als reibungsloser Wechsel der Lastwagenmodelle und die Bilanzfälschung der englischen Tochtergesellschaft ERF schwer zugesetzt. Nach und nach litten auch die anderen Sparten unter der Konjunkturschwäche, besonders und bis heute auch die Druckmaschinen. Der Großauftrag aus England verschafft der Rollenmaschinenfertigung in Augsburg Luft. Die gute Auslastung ändert aber nach Rupprechts Ansicht nichts an der Notwendigkeit, Kosten zu senken.

          Diesen Druck spüren auch die Produktionen der Schiffsdieselmotoren in Augsburg und der Bogendruckmaschinen in Offenbach. Rupprecht hofft, noch in diesem Jahr mit den Betriebsräten eine Einigung auf eine längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich zu erzielen. Er hat bereits mit dem Verlagern weiterer Stellen in Niedriglohnländer gedroht. Mit dieser Aufgabe müßte sich dann sein Nachfolger beschäftigen. Samuelsson hat angekündigt, Rupprechts Weg fortzusetzen, das Profil der fünf Kerngeschäftsfelder zu stärken und sich von Randsparten zu trennen. Eine Aufspaltung des Konzerns lehnt auch der Schwede ab. Rupprecht hat das weitgefächerte Angebot von MAN stets verteidigt. Im vergangenen Jahr wurde er sogar mit Zerschlagungsplänen des Unternehmers Heinrich Weiss konfrontiert. Doch die Attacke schlug fehl, und Ende 2003 einigten sich die Kontrahenten, daß MAN seine Beteiligung an der SMS AG an die Familie Weiss verkauft.

          Mit Ruhe und Bedächtigkeit hat Rupprecht MAN Stück für Stück und angeschoben von einem starken Rückenwind der belebten Konjunktur aus einer schwierigen Lage in den vergangenen drei Jahren befreit. Fehler hat er eingestanden, zum Beispiel kam nach seiner Ansicht ein entschlossen angepackter Abbau von Arbeitsplätzen beim Druckmaschinenhersteller MAN Roland zu spät. Verpaßt hat Rupprecht auch den Verkauf des verlustreichen Luft- und Raumfahrtzulieferers MAN Technologie in besseren Zeiten. Um so mehr freut sich der Vorstandsvorsitzende über Großaufträge wenige Wochen vor seinem Abschied - wie in dieser Woche aus England.

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