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Schröders neuer Arbeitgeber? : Warum Rosneft ein ganz besonderer Konzern ist

Keine Diskussionen: Russlands Präsident Putin und der Rosneft-Chef Setschin im Januar Bild: dpa

Rosneft gilt als der größte Erdölproduzent der Welt. Der russische Staatskonzern ist mitnichten ein ganz normales Unternehmen. Was verspricht er sich von Gerhard Schröder?

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          An der Behrenstraße in Berlins Mitte, direkt gegenüber der Komischen Oper, in Nachbarschaft der Bayerischen Vertretung und wenige hundert Meter von der russischen Botschaft entfernt, steht ein Bürogebäude. Im 5. Obergeschoss hat der Mobilfunkanbieter Vodafone sein Hauptstadtbüro sowie Fachanwälte für Arbeitsrecht. Ein Stockwerk darunter sitzt der amerikanische Computerspielentwickler Epic Games. In der zweiten und dritten Etage prangt seit einigen Monaten das Logo des russischen Ölkonzerns Rosneft: sieben schwarze Balken auf drei gelben. Hier hat der deutscher Ableger des größten Erdölproduzenten der Welt, die Rosneft Deutschland GmbH, ihre Räume bezogen. Oben im Empfangsbereich läuft in Endlosschleife ein Video, das Raffinerien des Unternehmens zeigt. In den Großbüros sitzen meist männliche Mitarbeiter jüngeren und mittleren Alters vor Computern, schreiben und diskutieren. Eine PR-Abteilung, so sagt eine Sekretärin, gibt es in Deutschland noch nicht. Deswegen möge man sich mit allen Fragen an die Moskauer Zentrale wenden.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Eins aber ist klar: Der Konzern, der wegen des bevorstehenden Engagements des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder in seinem Aufsichtsrat gerade Schlagzeilen macht, ist längst in Deutschland angekommen. Rosneft ist nach eigenen Angaben hierzulande das drittgrößte Unternehmen in der Mineralölverarbeitung. In Deutschland arbeiten für den Konzern rund 5000 Mitarbeiter. Schröder hat das zum Anlass genommen, sein Engagement zu rechtfertigen. „Ich glaube, dass es den Rosneft-Arbeitnehmern in Deutschland und den Gewerkschaften nicht unwohl ist, wenn ein Deutscher an wichtiger Stelle mit dabei ist“, sagte er der Schweizer Zeitung „Blick“. Er werde sich am 29. September für den Aufsichtsrat zur Wahl stellen „trotz aller Kritik, die ich für falsch halte“, sagte Schröder. Sein Salär als „unabhängiger Direktor“ betrage 500.000 amerikanische Dollar, nach Abzug der russischen Steuern noch 350.000. Darauf fielen noch die deutschen Steuern an. Gefragt worden, ob er den Job übernehme, sei er von Rosneft-Chef Igor Setschin selbst. Schröder gab zu, dass politische Erwägungen für seine Berufung eine Rolle gespielt hätten. „Zudem hat Rosneft erhebliche Interessen in Deutschland, speziell im Osten“, sagte Schröder.

          Damit liegt der frühere Bundeskanzler sicher richtig. Nach eigenen Angaben hat Rosneft in den vergangenen sechs Jahren 1,8 Milliarden Euro in die Erdölverarbeitung in Deutschland investiert. Der Konzern will, so hat es Setschin bei der offiziellen Einweihung der Filiale im Mai in Berlin angekündigt, in den nächsten fünf Jahren 600 Millionen Euro in Deutschland investieren. Schon heute präsentiert Rosneft sich selbstbewusst: Die verarbeitete Menge betrage rund 12,5 Millionen Tonnen Rohöl im Jahr; das seien mehr als zwölf Prozent der Verarbeitungskapazität in der Bundesrepublik, heißt es auf der deutschen Internetseite des Konzerns. Der Konzern kontrolliert 24 Prozent an Deutschlands größter Raffinerie Miro in Karlsruhe, zudem 54 Prozent an der PCK Raffinerie in Schwedt in Brandenburg und 25 Prozent an der Raffinerie Bayernoil in Vohburg/Amt Neuhaus. Die beiden Raffinerien in Baden-Württemberg und in Bayern sollen, so die Pläne von Rosneft, durch eine Verlängerung der Pipeline „Druschba“, zu Deutsch Freundschaft, direkt mit Rohöl aus Russland versorgt werden. Bisher werden sie durch die „Transalpine Pipeline“ vom italienischen Hafen Triest versorgt, die vor allem Öl aus Tankern etwa aus Nordafrika transportiert. PCK wird schon heute über den nördlichen Strang der „Druschba“-Leitung mit russischem Öl versorgt. Auch ein Einstieg ins deutsche Tankstellengeschäft wird geprüft. Der Konzern liefert schon an Tankstellen des französischen Konzerns Total. Gedacht wird etwa daran, Total-Tankstellen in Deutschland zu übernehmen. Total hat mehr als tausend Stationen in Deutschland und damit das viertgrößte Tankstellennetz.

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