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Roman Abramowitsch : Neues Profil durch Chelsea

Roman Abramowitsch Bild: PA

Auf diesen Tag haben die Anhänger des FC Chelsea lange gewartet: Zehn Jahre gingen ins Land, bis der Londoner Traditionsverein gegen seinen Lokalrivalen Arsenal einen Heimsieg herausspielen konnte. Am vergangenen Sonntag war es endlich soweit.

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          Auf diesen Tag haben die Anhänger des FC Chelsea lange gewartet: Zehn Jahre gingen ins Land, bis der Londoner Traditionsverein gegen seinen Lokalrivalen Arsenal einen Heimsieg herausspielen konnte. Am vergangenen Sonntag war es endlich soweit. Mit einem hoch verdienten 1:0 schickten die "Blues" endlich ihre Bundesliga-Nachbarn aus dem Londoner Norden nach Hause.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Spätestens seit dem Prestigeerfolg vom vergangenen Wochenende wird Klubeigentümer Roman Abramowitsch nicht nur von fanatischen Fans an der Stamford Bridge, sondern auch landesweit von der britische Presse wie ein Heilsbringer des nationalen Profi-Fußballs verehrt. Der 39 Jahre alte Milliardär aus Russland hatte den einst hochverschuldeten Profiverein vor zwei Jahren erworben und danach insgesamt 500 Millionen Euro in hochkarätige Ballkünstler investiert. Das spektakuläre Engagement in der englischen "Premier League", das sich mit sportlichen Erfolgen auszuzahlen beginnt, schürt in Großbritannien das öffentliche Interesse an dem Unternehmer, der sich gegenüber Medien bislang geschickt abzuschirmen weiß. Interviews sind für ihn tabu. Meist zieht sich Abramowitsch, der mit einer ehemaligen Stewardeß verheiratet ist und fünf Kinder hat, in seine Londoner Stadtwohnung oder auf seinen 420 Hektar großen Landsitz in der englischen Grafschaft Sussex zurück.

          Während der prominente Neuzugang Großbritanniens fast zwangsläufig zum Darling der Nation aufsteigt, scheint er sich von seiner russischen Heimat zunehmend abzunabeln. In Moskau heißt es jetzt, Abramowitsch stehe unmittelbar vor dem Ausstieg aus dem russischen Ölproduzenten Sibneft. Offenbar ist der Erdgas-Konzern Gasprom bereit, das von ihm und einigen Mitinvestoren gehaltene Paket von 72 Prozent für geschätzte 10 Milliarden Dollar (820 Millionen Euro) zu übernehmen. Kommt das Geschäft zustande, hätte sich der Abramowitschs Einsatz im russischen Energiegeschäft höchst bezahlt gemacht, denn er und seine Co-Finanziers hatten den Sibneft-Anteil 1995 mit damals 210 Millionen Dollar preisgünstig erstanden. Im Gegensatz zum viel diskutierten Rückzug bei Sibneft ging Abramowitschs Trennung vom Aluminium-Herstellers Rusal vor zwei Jahren geräuschlos über die Bühne: Damals überließ er seinen 50-Prozent-Anteil seinem Mitgesellschafter Oleg Deripaska für stolze 2,5 Milliarden Dollar. Dank seiner clever eingefädelten Geschäfte gehört der Schnäppchenjäger aus der nordrussischen Stadt Uchta nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in Großbritannien mit einem Vermögen von mehr als 10 Milliarden Euro zu den jeweils reichsten Geschäftsleuten.

          Neben seinem Gespür für einträgliche Geschäfte hat er diesen Status in Russland vor allem seinen exzellenten Verbindungen zur politischen Führung in Moskau zu verdanken, sagen ehemalige Mitstreiter. So konnte Abramowitsch vor allem von der Gunst des einstigen Kreml-Herrschers Boris Jelzin profitieren, indem er sich bei dessen Privatisierungen von Staatsbetrieben frühzeitig beteiligte. Auch beim Machtwechsel von Jelzin auf Putin agierte der geschmeidige Unternehmer geschickt. Im Gegensatz zu Yukos-Chef Chodorkowskij, der dem amtierenden Staatschef den politischen Kampf ansagte, verzichtete Abramowitsch auf jede Opposition im Moskauer Parlament. Stattdessen ließ er sich vor fünf Jahren zum Gouverneur auf der russischen Halbinsel Tschukotka wählen. Seitdem genießt der Unternehmer die Immunität eines russischen Abgeordneten und profitiert von Steuervorteilen, die inländischen Investoren in der strukturschwachen Region gewährt werden. Nicht von ungefähr siedelten sich einige Ölhandelsfirmen aus dem Sibneft-Imperium in Tschukotka an.

          Trotz etlicher Privilegien in Rußland zeichnet sich Abramowitschs Rückzug auf Raten deutlich ab. Die Fußball-Metropole London dürfte dabei der offizielle Geschäftssitz des Chelsea-Eigners werden.

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