https://www.faz.net/-gpf-6p8gb

Robert Haselsteiner : Unternehmer und Investmentbanker

  • -Aktualisiert am

Robert Haselsteiner kommt aus der Nähe von Wien - und strahlt die passende Gemütlichkeit aus. Doch hinter der Fassade steckt ein knallharter Investmentbanker, der in Deutschland Börsengeschichte schreiben wird.

          2 Min.

          Robert Haselsteiner kommt aus der Nähe von Wien - und strahlt die passende Gemütlichkeit aus. Doch hinter der Fassade steckt ein knallharter Investmentbanker, der in Deutschland Börsengeschichte schreiben wird: Gemeinsam mit seinem Partner Marcus Wolsdorf und dem Geld der beiden Risikokapitalgesellschaften Earlybird und 3i hat er den Internet-Direktfinanzierer Interhyp aus dem Nichts aufgebaut und geht bald an die Börse. Zum ersten Mal seit mehr als fünf Jahren wagt sich wieder ein Internet-Unternehmen in Deutschland an die Börse. Während andere Gründer erfolgreicher Internet-Unternehmen wie Mobile.de ihre Anteile verkauft haben und die Früchte ihrer Arbeit genießen, zeigt Haselsteiner Mut: "Ich bin mit Herzblut dabei - und bleibe im Unternehmen", sagt er. Höchstens kleine Pakete will er beim Börsengang abgeben.

          Haselsteiners Karriere begann nach dem Studium in Wien eher beschaulich bei der Sparinvest, einer Fondsgesellschaft in Österreich. Doch schon zwei Jahre später zog es ihn zur Investmentbank Salomon Brothers nach New York und London. Darauf folgten Jahre in Diensten von Goldman Sachs in London und Frankfurt, wo er Mitglied der deutschen Geschäftsleitung war. Schon 1996, also bevor der Aufschwung an der Börse die Investmentbanker zu Unternehmern machte, gründete er mit Wolsdorf zusammen eine Beratungsgesellschaft. Sie berieten die Vorstände führender deutscher Banken im Privatkundengeschäft. Daraus folgte schließlich 1999 die Idee, Hypothekenkredite an private Bauherren im Internet zu vermitteln. Interhyp wurde gegründet.

          Aus dieser Zeit stammt auch sein amerikanisch geprägter Managementstil: "Wir kommen aus einer Leistungskultur. Mit hoher Professionalität verfolgen wir leidenschaftlich unsere Ziele", sagt Haselsteiner - und verlangt dies auch von seinen rund 200 Mitarbeitern. "Sie sollen eine entsprechende Leidenschaft an den Tag legen". 12 bis 14 Stunden arbeitet der 43 Jahre alte Familienvater täglich an seinem Traum, mit Interhyp in die erste Liga im Immobilienfinanzierungsgeschäft in Deutschland aufzusteigen.

          Das Interhyp-Modell funktioniert und bedeutet eine Kampfansage an die bisherigen Platzhirsche im Markt wie die Sparkassen oder Filialbanken. "Unser Geschäftsmodell hat den Charme, den Sektor zu revolutionieren. Denn unsere Zinsvorteile sind systemimmanent. Die Sparkassen und Filialbanken können mit den Konditionen der schlanken Wettbewerber im Internet nicht mithalten. Wir nehmen ihnen stündlich Marktanteile ab", sagt Haselsteiner. Rund ein halber Prozentpunkt Zinsvorteil gegenüber den traditionellen Banken macht vor allem Akademiker zu seinen Kunden, die keine Scheu vor Transaktionen im Internet haben.

          Anders als die Versprechen vieler Internet-Unternehmen aus dem Jahr 2000 nimmt man Haselsteiner die Wachstumsgeschichte ab. Zwar ist der Marktanteil von Interhyp mit 1,5 Prozent noch eher klein. Doch da das Unternehmen sein Finanzierungsvolumen in jedem Jahr etwa verdoppelt, während der Markt wegen der schwachen Konjunktur schrumpft, erscheint Haselsteiners Zielgröße von 10 Prozent Marktanteil nicht unrealistisch.

          Die Geschichte für die Börse erscheint intakt. Das hochprofitable Unternehmen erzielt 28 Prozent Ergebnismarge in diesem Jahr - andere Finanzdienstleister in Deutschland können davon nur träumen. Das sei aber noch nicht das Ende aller Träume, verrät Haselsteiner. Je mehr Kunden Interhyp gewinnt, desto bessere Konditionen werden die Banken bieten müssen, um bei Interhyp zum Zuge zu kommen. Damit steigt auch die Marge. Zusammen mit den Millionen aus dem Börsengang könnte er viel Geld in das Marketing und in Akquisitionen stecken, um neue Kunden zu gewinnen. "Den meisten Bauherren ist noch nicht klar, daß Internet-Makler signifikante Ersparnisse bringen", sagt Haselsteiner. Da er den Immobilienmarkt nach langer Durstsrecke am Beginn eines Aufschwungs sieht, könnte der Börsengang genau zum richtigen Zeitpunkt zum Turbo für Interhyp werden.

          Weitere Themen

          Janet Yellen wird Finanzministerin

          Senat stimmt zu : Janet Yellen wird Finanzministerin

          Amerikas Finanzministerium wird erstmals von einer Frau geführt. Die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen will die Wirtschaft mit massiven Konjunkturhilfen aus der Krise führen.

          Topmeldungen

          Verschiedene Geldanlagen zu verwalten kann manchem vorkommen wie Jonglage.

          Bilanz ziehen : Neuer Glanz auf altem Vermögen

          So eine Vermögensbilanz kann Überraschungen bergen, Sie aber vor ebensolchen bösen bewahren. Unser Autor hat Tipps zur Aufstellung und zur Umschichtung von Hab und Gut.
          Bitte kein soziales Elend zu später Stunde: Moderator Jan Plasberg und Gäste sprachen in der ARD-Sendung "Hart aber fair" über die Coronakrise.

          TV-Kritik: Hart aber fair : Maximal empathielos

          Wut, Ohnmacht, Verschwörungstheorien: Bei „Hart aber fair“ arbeiten sich Frank Plasberg und seine Gäste an den Nebenwirkungen der Corona-Krise ab. Gefährlich ist, was ungesagt bleibt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.