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Rinderwahn : BSE - Ministerium sieht keinen Grund zur Entwarnung

  • -Aktualisiert am

Als hätte es BSE nie gegeben Bild: dpa

Das Thema BSE spielt in der breiten Öffentlichkeit kaum noch eine Rolle. Das Ministerium für Verbraucherschutz findet das bedenklich. Und der erste BSE-Fall in Griechenland scheint diese Bedenken zu stützen.

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          „Erstes BSE-Rind auf deutschem Boden“ - im November 2000 schockte diese Schlagzeile das ganze Land. In Schleswig-Holstein wiesen Tierärzte das erste Mal bei einem in Deutschland geborenen Rind die Rinderseuche nach. BSE bestimmte danach über Monate die Nachrichten. Immer neue Fälle traten auf, verteilt über ganz Deutschland. Verunsicherte Verbraucher mieden die Fleischtheken. Der Markt für Rindfleisch brach fast zusammen. Landwirte und Fleischerzeuger rutschten in eine tiefe Krise.

          Im Juni wurde bei einem toten Rind in Oberfranken zum letzten Mal die Rinderseuche BSE nachgewiesen. Es war der 87 Fall. Längst war das Thema aber schon von den Schlagzeilenplätzen verschwunden.

          Erfolgreiches Krisenmanagement

          Das Krisenmanagement der Bundesregierung, allen voran Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen), und die Vertrauenskampagne der deutschen Bauern hinterließen deutliche Spuren. Die Deutschen essen längst wieder Rindfleisch. Die Fleischerzeugung erreicht wieder 70 Prozent des Niveaus vor der Rinderwahn-Krise. An der BSE-Front ist Ruhe eingekehrt. Daran wird auch der erste BSE-Fall in Griechenland, der am Montag aus einem Schlachthof in Sidirokastro im Norden des Landes gemeldet wurde, voraussichtlich nichts ändern.

          Weiterhin kritische Situation

          Für das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft trotz der Erfolge eine kritische Situation. „Nur weil in den Medien das Thema kaum noch eine Rolle spielt, gibt es keinen Grund zur Entwarnung“, stellt Ursula Horzetzky, Sprecherin des Ministerium, fest. „Nach dem derzeitigen Stand haben wir zwar alle Vorkehrungen getroffen, aber die Krankheit ist längst nicht aus der Welt geschafft“, so die Ministeriumssprecherin weiter.

          Forschung notwendig

          Die Ursachen und Übertragungswege der Krankheit sind nach wie vor unbekannt. „Hier muss noch viel geforscht werden“, sagt Horzetzky. Bundesweit testeten Veterinäre bislang über eine Million Rinder auf BSE. Dass dabei nur 87 positive Fälle auftraten, macht Politikern und Landwirten Mut.

          Erfolgreiche Maßnahmen

          Die vorgeschrieben Vernichtung von Risikomaterialien wie Gehirn und Rückenmark, das generelle Verbot von Tiermehl als Futter für Nutztiere und die Einführung der BSE-Tests bei allen Schlachtrindern ab 24 Monaten dämmten die Gefahr erheblich ein. Geforscht wird mit großem Aufwand an einem Testverfahren, mit dem die Krankheitserreger schon bei lebenden Tieren nachgewiesen werden können. „Ende des Jahres“, so Ministeriumssprecherin Horzetzky, soll der Test wahrscheinlich zur Verfügung stehen.

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