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Richard Perle : Architekt der Bush-Doktrin

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Richard Perle, am Freitag vom Amt des Beraters des amerikanischen Verteidigungsministeriums zurückgetreten, hatte einen Beinamen: „Fürst der Finsternis“.

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          Richard Perle hat einen Beinamen: „Fürst der Finsternis“. Den erwarb er sich in den 70er Jahren, als er mit einem eingeschworenen Club um den Senator Henry Jackson die sowjetische Bedrohung beschwor.

          Eine Kampfansage an das Sowjetreich, die „Macht der Finsternis“, war ihr Ziel. Unter Präsident Ronald Reagan lief Perle als stellvertretender Verteidigungsminister mit seiner Forderung zur Aufrüstung offene Türen ein. Er war entschiedener Verfechter von Reagans weltraumgestützten Abwehrprogramm („Krieg der Sterne“). Perle ist eine zentrale Figur in den Reihen der Neokonservativen, die in den amerikanischen Denkfabriken seit Jahren die Zukunft planen. Mehrere sind mit den Amtsantritt von Präsident George W. Bush in einflussreiche Regierungsämter gerutscht. Pentagon-Chef Donald Rumsfeld holte den alten Freund im Sommer vor zwei Jahren als Pentagon-Berater in seinen engsten Zirkel.

          Scharfer Analytiker

          Zusammen mit dem stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz gilt der 61-Jährige als Architekt der neuen Bush-Doktrin - Angriff ist die beste Verteidigung in Zeiten des globalen Terrors. Im Irak-Krieg findet die Doktrin erstmals Anwendung. Perle studierte in London und an der Elite-Universität Princeton. Er arbeitete in mehreren Kongressausschüssen im Verteidigungsbereich, im Pentagon und ist jetzt bei der konservative Denkfabrik Enterprise Institute.

          Der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler gilt als scharfer Denker und Analytiker, der kaum ein Blatt vor den Mund nimmt. Im amerikanischen Fernsehen und in Europa ist er deshalb oft zu Gast. Seine kompromisslose Überzeugung, dass Amerika ihren Weltmachtstatus mit überwältigender Militärmacht verteidigen und das Heil der amerikanischen Moral- und Freiheitsvorstellungen in die Welt tragen müssen, wird je nach politischer Couleur der Fragesteller als Zukunftsvision gefeiert oder als Indiz für amerikanische Arroganz gebrandmarkt. Vor sieben Jahren trat Perle als Hauptautor einer Studie in Erscheinung, die sich mit den Sicherheitsinteressen Israels befasste. Darin setzte er sich für eine Neuordnung des Nahen Ostens ein, um Israel zu schützen. Die Neuordnung sollte mit dem Regimewechsel in Bagdad beginnen.

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