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Reparationszahlungen : Rechnung aus Warschau?

Blick auf das zerstörte Warschau Bild: dpa

Polens Reparationsforderungen an Deutschland haben viele Gründe. Mit dem 80. Jahrestag des Überfalls der Deutschen auf Polen rückt dieses Thema nochmals in den Fokus. Nicht nur die Rechtslage ist dabei zu berücksichtigen.

          3 Min.

          Aus den meisten polnischen Reaktionen auf die Gesten und Worte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier während seines Besuchs zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen sprachen Hochschätzung und Anerkennung. Doch das Thema, das seit einigen Wochen aus den Reihen der nationalkonservativen polnischen Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) wieder offensiv vorgetragen wird, schwang in vielen Äußerungen zur Teilnahme Steinmeiers und Bundeskanzlerin Merkels an den Gedenkfeiern in Wielun und Warschau mit: Reparationen für Polens Verluste durch die Besatzung im Zweiten Weltkrieg und deren Folgen. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sagte in seiner Gedenkrede auf der Danziger Westerplatte, man müsse „über diese Verluste reden, erinnern, die Wahrheit verlangen und Wiedergutmachung verlangen“. Stunden später saß er mit der Bundeskanzlerin in Warschau in einer Limousine; beide ehrten durch Kranzniederlegung die Warschauer Opfer des Besatzungsterrors. Staatspräsident Andrzej Duda sagte am Wochenende, Polens Parlament werde bald „eine Rechnung vorlegen“.

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Auf der obersten Ebene der polnischen Politik wird das Thema seit Sommer 2017 wieder vorgetragen, als PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski es auf einer Parteiveranstaltung aufgriff. Damals entstand im polnischen Parlament eine lockere „Arbeitsgruppe zur Schätzung der Höhe der Entschädigungen, die Polen für die während des Zweiten Weltkriegs zugefügten Schäden zustehen“ – so der offizielle Name. Seitdem kündigen Regierungspolitiker immer wieder an, bald werde man Deutschland eine „Rechnung“ vorlegen; genauer gesagt, die Arbeitsgruppe werde das tun, wenn sie ihre Arbeit abgeschlossen habe. Ein Minister nannte in Warschau 2017 schon mal eine Schadenssumme von „bis zu 840 Milliarden Euro“. Die rechte Publizistik geht sogar in die Billionen.

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