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Rente : „Wer später anfängt, soll länger arbeiten“

  • Aktualisiert am

Akademiker sollen später in Rente gehen dürfen Bild: AP

Gesundheitsministerin Schmidt hat sich dafür ausgesprochen, dass Arbeitnehmer, die spät ins Berufsleben einsteigen, auch erst später in Rente gehen dürfen.

          2 Min.

          Akademiker und andere berufliche Spätstarter sollen länger arbeiten oder weniger Rente bekommen - dies hat Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) für die geplante Rentenreform vorgeschlagen. „Wer später anfängt, soll länger arbeiten“, sagte sie der Wochenzeitung „Die Zeit“.

          Arbeitnehmer, die früh in den Beruf starten, könnten auch früher ausscheiden. Schmidt will den Renteneintritt an die Berufsjahre knüpfen, und nicht mehr an eine starre Altersgrenze. Die Ministerin greift damit einen Vorstoß der Gewerkschaften auf.

          „Gerade unter Akademikern...“

          Arbeitnehmer müssten danach erst eine bestimmte Zahl an Versicherungsjahren vorweisen, bevor sie die volle Rente bekommen. „Gerade unter Akademikern gibt es viele, die das gerne wollen“, sagte Schmidt. Sie schließt sich damit DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer und dem IG-BAU-Vorsitzenden Klaus Wiesehügel an, die beide in der Rürup-Kommission sitzen. Schmidt erwartet nun, dass die Kommission bis Herbst 2003 dazu durchgerechnete Vorschläge vorlegt. Bisher hatte sie betont, sie wolle der Kommission keine Vorgaben machen.

          Derzeit weisen Rentner im Durchschnitt rund 40 Versicherungsjahre auf. Wird dies als Mindestzahl gesetzt, müsste ein Akademiker, der zum Beispiel mit 30 Jahren seine erste Stelle antritt, bis 70 Jahre arbeiten, um die volle Rente zu bekommen. Nur wenige werden aber tatsächlich diese Grenze erreichen. Derzeit hat jeder zweite Betrieb keine Mitarbeiter über 50 Jahre mehr. Oft dürfte daher eine solche Reform für Job-Spätstarter auf eine Rentenkürzung hinauslaufen. „Heute hat die Hälfte aller Rentner länger als 40 Jahre gearbeitet, in Zukunft wird das nicht mehr so sein“, sagte Schmidt.

          Aber wer schon mit 16 beginnt...

          IG-Bau-Chef Wiesehügel schlägt sogar vor, künftig 44 Arbeitsjahre zu verlangen. Wer mit 16 ins Erwerbsleben eintrete, könne dann ohne Abschläge mit 60 in Rente gehen. Wer erst mit 26 beginne, müsse bis 70 arbeiten. Die Gewerkschafter wollen damit den Vorstoß des Kommissionsvorsitzenden Bert Rürup abwehren, für alle Arbeitnehmer allmählich die Rentengrenze von 65 auf 67 Jahre anzuheben. „Ein Maurer, der mit 15 Jahren angefangen hat zu arbeiten, ist nach 40 Beitragsjahren 55. In keinem Fall sollte man diese Personengruppe dazu zwingen, bis 67 zu arbeiten“, erklärte Engelen-Kefer.

          Schmidt schloss eine erneute Änderung der Rentenformel nicht aus. „Ich bin keine Formelfetischistin.“ Wenn die Experten zu dem Ergebnis kämen, dass für die Zeit nach 2010 Änderungen notwendig seien, werde die Regierung reagieren. Sie bekräftigte ihre Absicht, bei den geplanten Reformen bei Rente und Gesundheit den Konsens mit Union und FDP zu suchen. Dazu wolle sie nach den Landtagswahlen Anfang Februar mit der Opposition Gespräche aufnehmen.

          BDI sichert Unterstützung zu

          Die von Schmidt eingesetzte Reformkommission war am vergangenen Freitag in Berlin erstmals zusammengekommen. Unter Vorsitz des Wirtschaftsweisen Bert Rürup sollen die insgesamt 26 Mitglieder - darunter Gewerkschafter, Arbeitgeber, Politiker, Manager und Professoren - bis Herbst 2003 Reformkonzepte für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung erarbeiten.

          Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sicherte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) seine Unterstützung bei den anstehenden Reformen zu. Wenn die notwendigen Strukturreformen angepackt würden, „sind wir gern und jederzeit bereit, aktiv und konstruktiv mitzuarbeiten", schrieb BDI-Präsident Michael Rogowski in einem Beitrag für das „Handelsblatt". Schröder hatte zuvor umfassende Sozialreformen angekündigt und gesagt, Änderungen im Gesundheitssystem auch gegen den Willen von Ärzten und Pharmaindustrie durchzusetzen.

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