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Religion : Die Erfindung des Islamisten

Mosaik in der Hagia Sophia: Die Kaiser Justinian (links) und Konstantin Bild: Picture-Alliance

Juden hatten einen Einfluss auf die Entstehung des Islams. Dieser ist in einer Zeit entstanden, in der der Glaube weltliche Macht verheißen hat. Die Religion ist aber in jener Entwicklung steckengeblieben.

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          In der heutigen Diskussion über das Christentum und den Islam spielt eine Rolle, dass die beiden monotheistischen Weltreligionen unter sehr verschiedenen Umständen entstanden sind. Die zwei Religionsstifter könnten daher nicht unterschiedlicher sein. Jesus Christus hatte gefordert: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“ (Matthäus 22,21). Er nahm sich im übermächtigen römischen Imperium des Einzelnen in Demut und Nächstenliebe an, und er erlöste die Menschen durch seinen Tod am Kreuz, als er die Schuld aller auf sich nahm. Als Mohammed sechs Jahrhunderte später wirkte, waren die Großreiche seiner Zeit, das römische und das persische, aus Erschöpfung implodiert. Er stieß in ein Vakuum, gründete ein weltliches Imperium, führte Kriege und ließ Andersgläubige verfolgen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Was als unvereinbarer Gegensatz erscheint, wird komplizierter, vergleicht man nicht die Entstehung der beiden Religionen, sondern stellt man die Entstehung des Islams in den historischen und geistesgeschichtlichen Kontext, in dem er im 7. Jahrhundert die Weltbühne betreten hat. Denn der Islam ist in vielem ein Spiegelbild des spätantiken Christentums. Als neue Religion nahm er vieles von dem auf, was kurz zuvor das Christentum, das Judentum und der Zoroastrismus der persischen Sassaniden hervorgebracht hatten. Die frühen Muslime um Mohammed kopierten das nicht etwa, sondern formten daraus eine eigenständige Religion.

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