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Plante Umsturz : Wer ist Heinrich XIII. Prinz Reuß?

Zugriff: Polizisten führen am Montag Prinz Reuß ab Bild: dpa

Eine Gruppe aus der „Reichsbürger“-Szene plante offenbar den Umsturz der demokratischen Ordnung Deutschlands. Rädelsführer soll ein Prinz aus Frankfurt sein – mit Hang zur Esoterik und Geldproblemen.

          3 Min.

          Im Büro des Mannes, der mutmaßlich einen Staatsstreich plante, um selbst Regierungschef zu werden, fanden die Polizisten Ordner mit der Aufschrift „BRD“. Mit Anführungszeichen. Den deutschen Staat erkennt Heinrich XIII. Prinz Reuß offenbar nicht an. In einem 2019 in Genf aufgezeichneten Video sagte er, Deutschland habe seit 1945 keine Verfassung mehr, sei kein souveräner Staat. Klassiker der „Reichsbürgerszene“ also. Reuß war in diesen Kreisen bekannt.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.
          Timo Steppat
          Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Unter den Videos einzelner Auftritte, die es im Internet gibt, findet sich Applaus für den „mutigen Prinzen“, außerdem Aufforderungen, das Video zu speichern, bevor es gelöscht würde – und es in einschlägigen Telegram-Gruppen zu teilen.

          In einer anderen Rede, die er ebenfalls 2019 hielt, sprach er über den „Aufstieg und den Fall der blaublütigen Elite“. Er erzählte die Geschichte seiner Familie, die über 800 Jahre in Thüringen ansässig gewesen und von der sowjetischen Armee vertrieben worden sei. Das Grundgesetz nennt er ein Unterdrückungsinstrument. Seiner Überzeugung nach wurde der erste Weltkrieg geführt, um die „Verbreitung der jüdischen Bevölkerung voranzutreiben“. Von der Finanzierung von Kriegen und Revolutionen ist die Rede – angetrieben, so Reuß, von der jüdischen Bankiersfamilie Rothschild.

          Auf Schritt und Tritt verfolgt

          Es gab also schon seit längerem Hinweise darauf, dass dieser Mann auf seltsame Abwege geraten war. Der hessische Verfassungsschutz war von einer anderen Behörde auf ihn hingewiesen worden; Reuß stand offenbar auch in Verbindung zu einer anderen Ermittlung, die es in Südhessen gab. Rasch zeigte sich, dass es nicht nur in Hessen, sondern auch in anderen Landesbehörden Informationen zu den kruden Thesen und seltsamen Umtrieben des Prinzen gab.

          In Wiesbaden wurden die Informationen, die teilweise unzusammenhängend waren, in einer Frühphase gebündelt und ausgewertet. Das Landeskriminalamt wurde eingebunden, bald darauf der Generalbundesanwalt (GBA) in Karlsruhe informiert, welcher die Ermittlungen an sich zog. Viele Monate verfolgten die Ermittler den Prinzen auf Schritt und Tritt, der offiziell seine Dienste als Immobilienunternehmer, Finanzberater und Vermögensverwalter anbot. Auf der Internetseite des „Büro Prinz Reuss“ ist das mit Fürstenhut und Hermelinmantel geschmückte Wappen der Adelsfamilie zu sehen, Löwe und Kranich, darunter: „Ich bau auf Gott“.

          Reuß soll der Kopf der Gruppe gewesen sein

          Am Mittwochmorgen verschafften sich Beamte von Bundespolizei, Bundeskriminalamt und Landeskriminalamt Zutritt zur Wohnung des Verdächtigen im Frankfurter Westend und zu seinen Büroräumen im Nordend. Parallel wurden 24 andere Personen im ganzen Land festgenommen. Der Vorwurf: Die Bildung und Unterstützung einer inländischen terroristischen Vereinigung. Für acht Personen, auch Reuß, soll Untersuchungshaft beantragt werden.

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