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Regierung : Viele Minister verlieren Direktmandate

  • Aktualisiert am

Die Mehrzahl der Minister des rot-grünen Kabinetts hat bei der Bundestagswahl das Rennen um die Direktmandate verloren.

          2 Min.

          Die Mehrzahl der Minister des rot-grünen Bundeskabinetts konnte in ihren Wahlkreisen nicht punkten und hat bei der Bundestagswahl das Rennen um die Direktmandate verloren.

          Lediglich fünf von zwölf Ministern konnten direkt gewinnen. Den größten Absturz erlebte Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD). Sie büßte in Tübingen im Vergleich zu 1998, als sie das Direktmandat mit 47,2 Prozent gewonnen hatte, 6,8 Punkte der Erstwählerstimmen ein. Das Mandat gewann mit 43,4 Prozent die CDU-Kandidatin Annette Widmann-Mauz. Däubler-Gmelin war in der Schlussphase des Wahlkampfes wegen eines angeblichen Vergleichs von US-Präsident George Bush mit Hitler-Methoden unter Druck geraten.

          Bulmahn, Wieczorek-Zeuk, Schmidt durch

          Siegreich waren dagegen Verteidigungsminister Peter Struck, Verkehrsminister Kurt Bodewig, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und
          Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (alle SPD). Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) entschied seinen Berliner Wahlkreis Pankow gegen Sandra Brunner (PDS) und den Fraktionsvize der Union im Bundestag, Günter Nooke, klar für sich. Finanzminister Hans Eichel (SPD) und Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hatten keinen eigenen Wahlkreis.

          Struck erzielte in Celle-Uelzen 50,1 Prozent und Bodewig in Neuss I 44,8 Prozent. Schmidt kam in Aachen auf 47,4 Prozent der Erststimmen und wiederholte damit ihren Erfolg von 1998. Wieczorek-
          Zeul setzte sich in ihrer Heimatstadt Wiesbaden mit 47,3 Prozent gegen die 25 Jahre alte Christdemokratin Kristina Köhler (40 Prozent) durch. Bulmahn gewann im Wahlkreis Stadt Hannover II gegen Friedbert Pflüger von der CDU.

          Innenminister Otto Schily konnte nicht punkten und schnitt sogar schlechter ab als 1998. Der 70-Jährige unterlag in seinem Wahlkreis München-Land bei den Erststimmen mit 32,1 zu 55,6 Prozent dem CSU-Abgeordneten Martin Mayer. Vor vier Jahren hatte Schily noch 34,9 Prozent erhalten.

          Riester und Bergmann geschlagen

          Ebenfalls geschlagen geben musste sich Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD). Er verlor im Wahlkreis Göppingen mit 39,7 Prozent der Stimmen gegen den CDU-Kandidaten Klaus Riegert (48
          Prozent). Bundesfamilienministerin Christine Bergmann verlor ihren Berliner Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf an die PDS-Kandidatin Petra Pau. Sie erhielt 33,7 Prozent der Erststimmen. Pau erreichte 37,7 Prozent.

          Außenminister Joschka Fischer, Grünen-Spitzenkandidat und laut Umfragen beliebtester Politiker Deutschlands, erreichte in seinem Frankfurter Wahlkreis 20,4 Prozent der Erststimmen. Er steigerte
          damit seinen Erststimmenanteil zwar im Vergleich zu 1998 um 7,3 Punkte. Die Entscheidung um das Direktmandat trugen jedoch Rita Streb-Hesse (SPD) und Erika Steinbach (CDU) unter sich aus. Streb-Hesse gewann mit einem Vorsprung von 409 Stimmen.

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