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Kommentar : Nicht einmal die halbe Wahrheit

Der frühere Regensburger Bischof Kardinal Gerhard Ludwig Müller Bild: dpa

Kardinal Müller geriert sich im Regensburger Missbrauchsskandal als Aufklärer, obwohl er in den Schilderungen der Opfer zunächst eine Kampagne sah. Dass Aufklärung anders geht, zeigte sein Nachfolger.

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          Was in Regensburg in den vergangenen beiden Jahren geleistet worden ist, das hätte schon früher geschehen können – und müssen. Wenn der frühere Regensburger Bischof, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, behauptet, die Aufklärung der vielen, vielen Fälle von Misshandlung und sexuellem Missbrauch bei den „Domspatzen“ sei von ihm initiiert worden, so ist das nicht einmal die halbe Wahrheit: Nachdem sich im März 2010 Opfer an die Öffentlichkeit gewandt hatten, sprach er zunächst noch von einer Kampagne gegen die Kirche.

          Müller steht exemplarisch für jene Kirchenführer, die mehr darauf achteten, den Ruf ihrer Institution zu schützen, als den Opfern gerecht zu werden. Er und Leute seines Schlags haben damit freilich das Gegenteil erreicht. Wie es von Anfang hätte gehen sollen, zeigt Müllers Nachfolger: Er beauftragte einen unabhängigen Ermittler, und er suchte das Gespräch mit den Geschädigten, bat um Verzeihung. Das macht die Leiden der Opfer nicht geringer, kann aber dazu beitragen, solche Taten in Zukunft zu verhindern – und der katholischen Kirche wieder Glaubwürdigkeit zu geben.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

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