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Vor dem Referendum : Britische Banken drohen Schottland

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Diese Filiale der Royal Bank of Scotland steht schon in London. Die schottische Haupteinheit könnte bald dazukommen. Bild: Reuters

Wenn sich die Schotten vom Vereinigten Königreich lossagen, wollen große Geldhäuser nach London abwandern. Auch sonst herrscht weiter Unruhe.

          Die britischen Großbanken Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds wollen Schottland im Falle eines Votums für die Unabhängigkeit den Rücken kehren. Die RBS teilte an diesem Donnerstag mit, sie werde dann ihren Hauptsitz von Edinburgh nach London verlegen. Allerdings solle ein großer Teil des Geschäfts weiter von Schottland aus abgewickelt werden. Dort ist die Royal Bank of Scotland seit ihrer Gründung im Jahr 1727 ansässig. Die RBS befindet sich zu mehr als 80 Prozent in britischem Staatsbesitz.

          Die ebenfalls in Edinburgh ansässige Lloyds erklärte, sie habe bei einem Ja der Schotten Notfallpläne in der Schublade. So würden „neue juristische Haupteinheiten in Großbritannien“ gegründet, erklärte die Bank, freilich ohne die Angaben zu konkretisieren. Schon vergangene Woche wurde unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet, dass die zu einem Viertel verstaatlichte Lloyds-Bank einen Umzug nach London plane. Lloyds-Aktien stiegen am Donnerstag zu Handelsbeginn um 1,6 Prozent, RBS-Titel legten zwei Prozent zu.

          Sowohl Lloyds als auch die RBS wurden infolge der Finanzkrise mit Steuer-Milliarden gerettet. In Schottland ansässige Banken haben Vermögenswerte in der Bilanz, die das Zwölffache der dortigen Wirtschaftsleistung übersteigen. Daher waren Zweifel aufgekommen, ob ein unabhängiges Schottland im Falle einer abermaligen Banken-Notlage ohne England klarkommen würde; die Pfund-Notenbank würde dann nicht mehr als Notfall-Retter einspringen.

          Investoren scheuen zurück

          Auch Anleger und Investoren scheuen die unbekannten Folgen eines Ja-Votums am 18. September. Sie stoßen Aktien ab und holen Anlagen aus schottischen Banken, um sie anders anzulegen.

          Zusätzlich werden in Verträgen seit einiger Zeit Ausstiegsklauseln festgelegt. Sie ermöglichen den Investoren und Kreditgebern im Falle eines Sieges der Separatisten einen Ausstieg aus dem Vertrag oder die Forderung der sofortigen Rückzahlung des Kredits.

          Am vergangenen Wochenende hatte eine Umfrage erstmals eine Mehrheit für eine Abspaltung ergeben. Die neuste Umfrage der „Daily Record“ sieht allerdings wieder die Unionisten leicht vorne. Es wird eine knappe Abstimmung am Donnerstag der kommenden Woche.

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